Wirtschaft : Commerzbank: Im Schatten von Martin Kohlhaussen

Daniel Rhee-Piening

Am gestrigen Montag wurde er vom Aufsichtsrat berufen, im Mai tritt der neue Vorstandssprecher der Commerzbank, Hans-Peter Müller, sein Amt an. Müller wird die Commerzbank nicht auf den Kopf stellen. Aber er weiß: Die Welt hat sich für die deutschen Banken geändert. Die Commerzbank ist zu klein um vorauszueilen. Wer auf dem vierten Platz in der Rangfolge der deutschen Kreditinstitute steht, muss aufpassen, nicht den Anschluss an das internationale Geschäft zu verlieren. Müller stand zehn Jahre im Schatten seines Vorgängers des künftigen Aufsichtsratschefs Martin Kohlhaussen und hat die von diesem erfundenen "Wahlverwandtschaften" in der Praxis getreulich umgesetzt. Er muss mit der Strategie der behutsamen Überkreuzbeteiligungen fortfahren, wenn das Institut seine Eigenständigkeit behalten soll. Und darauf wird Kohlhaussen achten: der amtierende Commerzbank-Chef ist in dieser Frage wenig kompromissbereit. Er verprellte die Hypo-Vereinsbank ebenso wie die Dresdner.

Doch Müller werden auch von anderer Seite enge Grenzen gesetzt. Da ist die Beteiligungsgesellschaft Cobra, der weniger am Fortbestand der Commerzbank in ihrer jetzigen Form als vielmehr an schnellen Gewinnen gelegen scheint. Auf dem internationalen Parkett geben die Investmentbanker den Ton an. In diesen Orchester spielt die Commerzbank kein bedeutendes Instrument. Versuche, das Investment-Banking auszubauen, sind bislang nicht recht vorangekommen. Einzig im Privatkundengeschäft kann die Bank auf Erfolge zurückblicken, vor allem beim Internet-Tochterunternehmen Comdirekt. Dort ist kein Revolutionär gefragt, sondern ein tüchtiger Verwalter: Vielleicht ist das fürs Erste das richtige Aufgabengebiet für Müller.

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