Wirtschaft : Commerzbank: Interesse an Prager Bank der Bankgesellschaft

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Die Commerzbank hat offenbar Interesse an einer Übernahme der tschechischen Zivnostenska banka, Prag, die mehrheitlich von der Bankgesellschaft Berlin kontrolliert wird. Dies verlautete am Donnerstag aus gut unterrichteten Bankkreisen. Das traditionelle tschechische Bankhaus, das 740 Mitarbeiter zählt, gehörte bis Anfang 1998 noch zum Einflussbereich der BHF-Bank. Die BHF-Bank hielt 46,87 Prozent, die zum 1. Januar 1998 an die Bankgesellschaft übertragen wurden. Ende letzten Jahres wurde die Beteiligung der Bankgesellschaft auf 85 Prozent aufgestockt.

Die Prager Bank, um die sich dem Vernehmen nach zurzeit sieben bis acht Institute bewerben, würde zur Ausrichtung der Commerzbank genau passen und dem jüngsten Angebot des Commerzbank-Vorstandschefs Klaus-Peter Müller an die Bankgesellschaft entsprechen. Müller hatte in einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung bekräftigt, dass die Commerzbank Interesse an Teilen der Bankgesellschaft habe und gesagt: "Wir haben an die Geschäftsführung ein Signal gegeben, dass wir eine Adresse sind, die man ansprechen kann." Anfang Juli hatte Müller dem Handelsblatt gesagt, er habe Interesse am Kapitalmarktgeschäft der Berliner. Bei der Bankgesellschaft und der Berliner Finanzverwaltung hieß es am Donnerstag mit dem Hinweis auf das noch ausstehende Umstrukturierungskonzept des Bankkonzerns, es gebe keinen Anlass zu übereilten Verkäufen.

Die Commerzbank ist zwar in den mittel- und osteuropäischen Nachbarländern bereits gut aufgestellt und verdient vor Ort auch Geld. Doch hat sie an Akquisitionen in dieser Region nach wie vor Interesse. So unterhält sie etwa in Tschechien ihre größte Filiale, die unter ihren ausländischen Filialen nach den US-Amerikanern die beste Rendite erzielt. In Polen ist die Commerzbank mit 48,85 Prozent an der börsennotierten Warschauer Bre-Bank beteiligt, die unter ihrem jungen Chef Wojciech Kostrzewa - Absolvent der Uni Kiel, Ex-Havardstudent und gefragter Gastredner in Deutschland - Furore machte. Und in Ungarn unterhält die Commerzbank eine eigene Tochter.

Die Zivnostenska banka wurde im 19. Jahrhundert gegründet und arbeitet als Universalbank. Schwerpunktmäßig ist sie in den drei Bereichen Privatbanking, Investmentbanking und Immobilienfinanzierung aktiv und schreibt schwarze Zahlen. Der Erwerb der Zivonstenska banka gehörte zur langfristigen Ausrichtung der Berliner in Tschechien, Polen und Ungarn. In Ungarn unterhalten die Berliner seit 1990 eine Repräsentanz, in Tschechien seit 1991. In Polen sind sie seit 1997 durch die Tochter Berliner Bank Polska vertreten, die 1999 in Bankgesellschaft Polska umbenannt wurde. Seit Mai bieten die Berliner in Polen mit "Inteligo" die Möglichkeit zum Internet-Banking.

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