Wirtschaft : Commerzbank: Rekordergebnis - Fusionsverhandlungen mit der Dresdner Bank nun mit gestärkter Position

Im anhaltenden Fusionspoker mit der Dresdner Bank hat die Commerzbank ein Rekordergebnis präsentiert und damit ihre Verhandlungsposition verbessert. Im ersten Halbjahr 2000 konnte die Nummer vier der deutschen Geschäftsbanken ihren Konzerngewinn vor Steuern auf 1,9 Milliarden Euro (3,7 Milliarden Mark) mehr als verdoppeln. Schon zur Halbzeit übertraf die gelbe Bank ihr gesamtes 99er Ergebnis um mehr als ein Drittel. Dies teilte die Commerzbank AG am Montag in Frankfurt (Main) mit.

Zur Spitzenbilanz trug allerdings wesentlich der Börsengang der Direktbank-Tochter Comdirect Bank AG im Frühjahr bei. Dieser brachte einen außerordentlichen Ertrag von rund 830 Millionen Euro in die Kasse. Ohne dieses Zusatzergebnis wäre das Ergebnis allerdings immer noch 30 Prozent höher ausgefallen.

Vor dem Hintergrund der zähen Fusionsgespräche sieht sich die Commerzbank mit ihrer Bilanz in einer glänzenden Ausgangsposition. "Diese Zahlen beweisen, dass sich die Commerzbank auch im europäischen Vergleich inzwischen mit den ertragsstärksten Instituten messen kann. Wir sehen uns deshalb gut gerüstet für die Herausforderungen des sich verändernden Bankenmarktes", bilanzierte Commerzbank-Chef Martin Kohlhaussen.

Sein Haus drängt bei einer Verschmelzung mit der Dresdner Bank auf eine Fusion unter Gleichen. Die Commerzbank sieht sich nach dem Ertragswert in einer deutlich besseren Position. Dagegen gilt die Dresdner als wertvoller, zumal die Nummer drei unter Deutschlands Großbanken auf erhebliche stille Reserven in der Größenordnung von zwölf Milliarden Mark verweisen kann.

Mitarbeiter werden nervös

Wann Dresdner Bank und Commerzbank erste Resultate ihrer seit Wochen andauernden Gespräche präsentieren, ist allerdings noch immer offen. "Das könnte sich nun doch noch bis in den August hineinziehen", hieß es am Montag in der Konzernzentrale der Commerzbank. Dennoch solle auch eine eilige Mitteilung noch in dieser Woche "nicht überraschen". Die Belegschaften beider Häuser drängen jedenfalls auf Nachrichten. "Wir wollen natürlich wissen, was los ist", verlautete bei der Commerzbank. Dresdner-Vorstandschef Bernd Fahrholz hatte seine Beschäftigten erst vor wenigen Tagen zum Durchhalten aufgerufen. Seit Wochen andauernde Gerüchte über einen möglichen Personalabbau und völlig neue Unternehmensstrukturen drücken auf die Stimmung. "Bitte engagieren Sie sich auch in dieser Phase weiterhin für unsere Kunden und damit für unsere Bank. Das liegt in unser aller Interesse und in dem unserer Aktionäre", schrieb Fahrholz an die rund 50 000 Dresdner-Bank-Beschäftigten. Sein Institut wird am 1. August die Bilanz des ersten Halbjahres 2000 vorstellen.

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