• Commerzbank schreibt erstmals rote Zahlen Verlust von 380 Millionen Euro setzt Vorstandschef Müller unter Druck

Wirtschaft : Commerzbank schreibt erstmals rote Zahlen Verlust von 380 Millionen Euro setzt Vorstandschef Müller unter Druck

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Frankfurt (Main) (ro). Die Commerzbank muss offenbar zum ersten Mal in ihrer Geschichte ein Geschäftsjahr mit einem Verlust abschließen. Offiziell wird Vorstandssprecher KlausPeter Müller die Zahlen erst am heutigen Mittwoch erläutern. Allerdings sickerte in Frankfurt (Main) bereits am Dienstag durch, dass sich der Verlust vor Steuern auf etwa 380 Millionen Euro belaufen wird. Allein das letzte Quartal habe der Bank ein Minus von rund 420 Millionen Euro beschert.

Im Jahr 2001 hatte die Commerzbank noch einen mageren Gewinn von 43 Millionen Euro verbucht: ein dramatischer Einbruch gegenüber 2000, als die Commerzbank vor Steuern noch einen Überschuss von 2,23 Milliarden Euro eingefahren hatte. Mit 380 Millionen Euro ist der Verlust der viertgrößten deutschen Geschäftsbank für 2002 mehr als doppelt so groß wie Analysten erwartet hatten. Sie hatten von einem Verlust vor Steuern von etwa 170 Millionen Euro gesprochen. Ursachen für die Talfahrt waren nach Angaben aus Finanzkreisen, weitere Rückschläge bei den Provisionseinnahmen und im Handelsergebnis, Abschreibungen auf Wertpapiere und Beteiligungen und höhere Restrukturierungsaufwendungen.

Obwohl die Zahlen noch nicht bestätigt sind, steht fest, dass der Druck auf Vorstandssprecher Müller weiter gewachsen ist. Sein noch im April 2002 genanntes Ziel, ein Ergebnis vor Steuern von 700 bis 800 Millionen Euro zu erreichen, hatte er schon im Frühsommer aufgeben müssen. Von der „nicht verblühenden Schönheit“, wie Müller die Bank noch im April nannte, ist nicht mehr viel zu sehen. Welche Auswirkungen das desaströse Ergebnis auf eine mögliche Fusion mit der Hypo-Vereinsbank hat, ist offen.

Der Kurs der Commerzbank-Aktie büßte am Dienstag erneut deutlich ein. Nachdem die wichtigsten Geschäftszahlen vorzeitig in die Öffentlichkeit drangen, untersucht jetzt die Bundesanstalt für Wertpapierdienstleistungen den Vorgang. Möglicherweise habe die Bank ihre Mitteilungspflicht verletzt, weil sie für den Kurs relevante Zahlen nicht rechtzeitig veröffentlicht hat. Sollte ein Verstoß vorliegen, muss sie mit einer Geldbuße von bis zu 1,5 Millionen Euro rechnen.

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