Wirtschaft : Commerzbank spürt Finanzkrisen

FRANKFURT (MAIN) (ro).Die Anfang der Woche festgezurrte enge Zusammenarbeit mit dem italienischen Versicherungskonzern Generali und die gegenseitige Kapitalbeteiligung bietet der Commerzbank "neue, weitreichende Chancen" im Allfinanzbereich.Wie dies im Einzelfall konkret genutzt wird, wollte Commerzbank-Vorstandssprecher Martin Kohlhaussen am Mittwoch in Frankfurt allerdings nicht kundtun.Sicher ist nur, daß die bisherige Kooperation mit der DBV-Winterthur-Versicherung "alsbald" beendet wird.Ob die Commerzbank ihren 40-Prozent-Anteil an der Leonberger Bausparkasse abgibt, ließ der Banker offen.

Aus der "neuen europäischen Wahlverwandtschaft", wie Kohlhaussen den jetzt etablierten Verbund mit der Generali und die bereits bestehende Anbindung an die Banca Commerciale Italiana (BCI), die spanische Banco Central Hispanoamericano (BCH) und die Erste Bank Austria nannte, ergeben sich nach Ansicht von Kohlhaussen nicht nur in Deutschland interessante Perspektiven, etwa im Wertpapiergeschäft oder in der Baufinanzierung.Die Kooperation mit der Generali gelte weltweit, dies sei der entscheidende Unterschied zur bisherigen, "erfolgreichen" Zusammenarbeit mit der DBV-Winterthur, die sich nur auf Deutschland beschränkt habe.Eine Trennung sei auch erforderlich, weil mit der Credit Suisse ein entscheidender Wettbewerber der Commerzbank dort Eigentümer sei.

Kohlhaussen ließ auch offen, wie sich künftig die Zusammenarbeit mit der Generali-Tochter Aachener und Münchener Beteiligungs AG (AMB) und deren Vertriebspartner, wie etwa der Deutschen Vermögensberatung, einem in der Assekuranz-Branche umstrittenen Strukturvertrieb, gestalte.Er betonte aber, die Commerzbank habe kein Interesse an der BfG Bank AG, an der die AMB 25 Prozent hält.

Auch bei der Commerzbank haben die Krisen in Asien, Rußland und Lateinamerika und die Unruhen an den Finanzmärkten Spuren hinterlassen.Das Ergebnis vor Steuern rutschte in den ersten neun Monaten im Vergleich zum Vorjahr um 15,4 Prozent auf 1,86 Mrd.DM ab.Nur durch steuerfreie Verkäufe von Aktienverkäufen in Luxemburg lag der Gewinn nach Steuern mit 1,365 Milliarden DM um knapp fünf Prozent höher als vor einem Jahr.Im dritten Quartal, in dem sich die Krise besonders bemerkbar machte, erreichte die Bank immerhin einen Vorsteuergewinn von 387 Mill.DM.Es waren allerdings rund eine halbe Milliarde DM weniger als im dritten Quartal 1997.

Vor allem im Eigenhandel mit Wertpapieren und Devisen mußte auch die Commerzbank Rückschläge verkraften.Das Handelsergebnis verschlechterte sich um knapp 19 Prozent auf rund 500 Mill.DM.Für das gesamte Jahr erwartet Kohlhaussen ein besseres Ergebnis als 1997.

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