Wirtschaft : Commerzbank: Übernahme durch eine Gruppe südeuropäischer Institute?

gja/stk/rob

Der Commerzbank droht im Falle des Scheiterns ihrer Gespräche mit der Dresdner Bank die Übernahme durch eine Gruppe südeuropäischer Institute. Im Ergebnis könnte das die Zerschlagung bedeuten. Nach Informationen des Handelsblattes erwägen der Versicherer Generali und die Banca Intesa aus Italien sowie die spanische Großbank Banco Santander Central Hispano (BSCH), die Commerzbank gemeinsam zu übernehmen und unter sich aufzuteilen. Zusammen halten sie bereits rund elf Prozent an dem Institut. Zudem ist ihnen das 17-Prozent-Paket des Commerzbank-Aktionärs Cobra bereits angetragen worden. Für eine Stellungnahme war keines der drei Häuser erreichbar.

Überlegungen, als Konsortium aufzutreten, seien bereits seit geraumer Zeit im Gange, heißt es in gut informierten Kreisen. Allerdings habe sich noch keines der drei Unternehmen dazu durchringen können, die Führungsrolle zu übernehmen - eine notwendige Voraussetzung, um die Übernahme durchzuziehen. Unterdessen scheint aber eine Fusion zwischen der Dresdner und der Commerzbank etwas näher gerückt zu sein. Beide Institute haben sich nach Informationen des "Handelsblatts" auf einen groben Entwurf einer gemeinsamen Strategie geeinigt und beginnen nun mit Gesprächen über die Struktur eines möglichen Deals.

Offenbar wollen die drei ausländischen Institute vorerst noch den Verlauf der Gespräche zwischen Dresdner und Commerzbank abwarten. Scheiterten deren Verhandlungen jedoch oder zögen sie sich zu lange hin, sei "alles möglich", heißt es in den Kreisen weiter. Pikant ist die Zusammensetzung der Gruppe. Denn alle drei sind mit der Commerzbank durch Überkreuzbeteiligungen verbandelt und gehören zu ihrem als "Wahlverwandtschaften" bezeichneten Netz europäischer Verbindungen. Dieses System hat sich nach Ansicht von Experten allerdings überlebt. Daher dürfte die Hoffnung der Commerzbank trügen, dass die Partner für ihr unverändertes Weiterbestehen eintreten werden, falls es zu keiner Lösung mit der Dresdner Bank kommen sollte.

Käme es zu einem Angebot der drei Häuser für die Commerzbank, wäre dies eine der ersten großen grenzüberschreitenden Übernahmen im Finanzdienstleistungssektor in Europa. Beim Großaktionär Cobra dürfte ein solcher Versuch eher auf ein positives Echo stoßen als eine Fusion mit der Dresdner. Zum einen hat die Cobra stets eine Präferenz für eine ausländische Lösung erkennen lassen. Zum anderen verspricht ein öffentliches Kaufangebot für die Commerzbank-Aktien einen satten Aufschlag für ihr Paket. Eine Fusion von Commerzbank und Dresdner brächte dem Großaktionär dagegen wahrscheinlich kein Bargeld. Für Commerzbankchef Martin Kohlhaussen dagegen dürfte angesichts der Gefahr einer Zerschlagung ein Zusammengehen mit der Dresdner die klare Präferenz sein. Nach Informationen aus Bankenkreisen wollen beide Banken ihre Gespräche noch diese Woche fortsetzen.

Parallel zu den Gesprächen auf Top-Ebene, an denen jeweils vier Vorstände teilnehmen, arbeiten mehrere Arbeitsgruppen an einer detaillierten Strategie für eine Vollfusion. Sowohl Dresdner-Chef Bernd Fahrholz als auch Kohlhaussen sollen mittlerweile einer Vollfusion den Vorzug geben, heißt es.

In der groben Strategie der beiden Institute stehen nach Infomationen des "Handelsblattes" neben Kosten- auch Wachstumssynergien im Vordergrund. Bei einer Zusammenlegung streben die beiden Häuser auf dem deutschen Markt die Führung im Retailgeschäft an. Gute Ergänzungsmöglichkeiten werden zudem im Corporate Banking und im Asset Management gesehen. Auch die E-Business-Aktivitäten der Dresdner und der Commerzbank-Tochter Comdirect passten zusammen. Außerdem sollen Geschäftsstellen zusammengelegt werden. Konkrete Vereinbarungen gebe es aber noch nicht, heißt es aus informierten Kreisen. Unklar sei noch, ob sich ein fusioniertes Institut künftig mehr als Retail- oder Investment Bank verstehen werde.

Neben den Gesprächen auf Topebene, an denen jeweils vier Vorstandsmitglieder teilnehmen, arbeiten parallel dazu jetzt auch Arbeitsgruppen an einer detaillierten Strategie, der Dealstruktur und an der Bewertung der beiden Häuser. Die Ergebnisse wollen die Vorstandssprecher Bernd Fahrholz (Dresdner) und Martin Kohlhaussen abwarten, bevor Details festgezurrt werden.

In der Zwischenzeit soll CobraGeschäftsführer Hansgeorg B. Hofmann der Dresdner Bank sein 17-Prozent-Paket an der Commerzbank angetragen haben. Das Institut sieht sich aber nach Informationen des Handelsblattes bei einem einfachen Kauf des Pakets mit dem Problem konfrontiert, dann den übrigen Aktionäre ein teures Übernahmeangebot unterbreiten zu müssen. Eine Lösung mit Cobra solle gefunden werden, um eine mögliche Blockade zu verhindern, heißt es. Die große Unbekannte in den Fusionsgesprächen ist offenbar die Allianz. Die Münchener Versicherung hält knapp 22 Prozent an der Dresdner. Fahrholz soll Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle laufend über die Gespräche informieren, das Ja für eine Verschmelzung mit der Commerzbank hat er aber offenbar noch nicht. Schon in der jüngeren Vergangenheit hat die Allianz in die Partnersuche der Dresdner Bank aktiv eingegriffen.

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