Wirtschaft : Commerzbank überrascht mit guten Zahlen

Gewinn im ersten Quartal / Aktie Tagesgewinner im Dax / Vorstand: „Auf dem Weg zurück zum Erfolg“

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Frankfurt (Main) (ro/nw/HB). Die Commerzbank hat offenbar den Weg aus der Krise gefunden. Im ersten Quartal verbuchte die viertgrößte deutsche Bank überraschend wieder Gewinne. Vor Steuern machte die Bank ein Plus von 38 Millionen Euro, und auch nach Steuern kommt sie mit drei Millionen Euro in die Gewinnzone. Gegenüber dem Vorjahresquartal waren dies zwar Einbußen von 75 und 96 Prozent, im vierten Quartal 2002 aber hatte die Bank noch einen VorsteuerVerlust von 417 Millionen Euro verbuchen müssen. Im gesamten Geschäftsjahr 2002 war ein Minus von 372 Millionen Euro angefallen.

Der Vorstand gibt sich im Quartalsbericht optimistisch, „die Commerzbank wieder auf den Weg des Erfolgs zurückzuführen". Vor allem auch deshalb, weil die für 2003 und 2004 absehbaren Aufwendungen für den Personalabbau sowie weitere Umbaumaßnahmen in Höhe von 104 Millionen Euro bereits vollständig im ersten Quartal gebucht wurden. Die Bank gehe nach diesem frühen Kraftakt „befreit" in die nächsten Monate, verkündet Vorstandschef Klaus-Peter Müller im Zwischenbericht.

Auch im gesamten Geschäftsjahr 2003 will die Bank wieder Gewinne schreiben. Voraussetzung dafür ist eine Begrenzung der Kosten. Im ersten Quartal lagen sie fast 16 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Weitere Entlastungen stehen bereits fest, weil die Bank vor allem in der Zentrale und im Ausland bis Ende 2004 weitere 3100 Arbeitsplätze abbauen wird. Ende März beschäftigte die Commerzbank 3300 Arbeitnehmer weniger als vor einem Jahr. Insgesamt arbeiten rund 35400 Personen für die Commerzbank, davon knapp 27800 in Deutschland. Ende 2001 hatte das Kreditinstitut noch 39500 Mitarbeiter. Im Jahr 2002 war die Bank zum ersten Mal in ihrer Geschichte im Gesamtjahr in die roten Zahlen gerutscht. Nach den Verlusten in Höhe von 372 Millionen Euro hatte die Commerzbank ihr Kostensenkungsprogramm massiv verschärft.

Zuversichtlich ist der Vorstand auch, weil sich die Risikolage im Kreditgeschäft offenbar allmählich entspannt. Die Rückstellungen für unsichere Kreditrückzahlungen lagen zwar mit 252 Millionen Euro nur knapp unter dem Wert des ersten Quartals 2002, aber der tatsächliche Wertberichtigungsbedarf habe deutlich unterhalb der gebildeten Risikovorsorge gelegen. Besonders im Privatkundengeschäft konnte die Bank zulegen, der Gewinn stieg von vier auf 33 Millionen Euro, bei Firmenkunden gab es allerdings eine Einbuße von 197 auf 152 Millionen Euro. Das Geldhaus profitierte im ersten Quartal auch von Beteiligungserträgen in Höhe von 105 Millionen Euro.

Die Analysten wurden von den Zahlen am Mittwoch überrascht. Sie hatten für das erste Quartal einen Vorsteuerverlust von rund 32 Millionen Euro erwartet. Experten gehen nun davon aus, dass weitere Quartale mit schwarzen Zahlen folgen könnten. Eine generelle Verbesserung der Situation deutscher Banken sehen viele Experten jedoch noch nicht: „Das erste Quartal sieht meistens besser aus als das vierte“, sagte ein Analyst, der namentlich nicht genannt werden wollte. So hätten mehrere Institute mitgeteilt, alle Risiken, die bis Februar angefallen seien, noch in die Bilanz von 2002 genommen zu haben. „Und wie nachhaltig die Ertragsentwicklung sein wird, ist noch nicht klar.“ Andreas Pläsier von der Berenberg Bank sieht das Schlimmste für die deutschen Banken jedoch auch dann bereits als überstanden an, wenn die Erträge noch einmal sinken sollten. Rückgänge könnten über Kosteneinsparungen aufgefangen werden.

Am Aktienmarkt wurden die Commerzbank-Zahlen ebenfalls positiv bewertet: „Das ist eine faustdicke, positive Überraschung“, sagte ein Händler. „Das zeigt, dass die Commerzbank ihre Hausaufgaben angegangen ist und der anziehende Markt den Banken hilft.“ Im Sog des sich im Tagesverlauf verschlechternden Marktes verlor die Aktie dennoch fast drei Prozent auf 9,16 Euro.

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