Wirtschaft : Commerzbank-Umbau kommt voran

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Trotz einer eher noch größer werdenden Pleitewelle, trotz schwacher Konjunktur und Börse will die Commerzbank ihren Gewinn in diesem Jahr deutlich steigern. 700 bis 800 Millionen Euro sollen es vor Steuern sein, sagte Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller am Dienstag bei der Vorlage der Bilanz. Allein im ersten Quartal waren es rund 150 Millionen Euro.

Müller setzt vor allem auf das im vergangenen Jahr eingeleitete Kostensenkungsprogramm, mit dem bis Ende des kommenden Jahres rund 3400 Stellen gestrichen werden. Im gesamten Geschäftsjahr 2001 hatte die Commerzbank vor Steuern nur 43 Millionen Euro (gegenüber dem Vorjahr minus 98,1 Prozent) verdient.

Allerdings wird die Commerzbank wegen der zunehmenden Insolvenzen die Vorsorge für wackelige Kredite von 927 Millionen Euro auf mehr als eine Milliarde Euro aufstocken müssen. Damit sieht Müller sein Haus aber auf der sicheren Seite. Auch die Belastungen aus der Insolvenz von Holzmann und Kirch seien mit Rückstellungen im vergangenen Jahr bereits verkraftet. Bei Mühl und Herlitz sei die Commerzbank nur mit kleinen Beträgen betroffen. "Insgesamt ist es uns gelungen, bei vielen Pleiten nicht dabei zu sein, etwa bei Enron oder Fairchild Dornier", freut sich Müller. Ihr Engagement bei Kirch sieht die Bank weitgehend abgesichert. Die Kredite bei ProSieben-Sat1 seien nicht ausfallgefährdet, weil es sich um ein profitables, börsennotiertes Unternehmen handele. Gegenüber Kirch-Media sei man, so Müller, durch den Filmstock und andere "wertvolle Aktiva" angemessen abgesichert. Der Rest sei durch die Risikovorsorge abgedeckt. Nach Ansicht des Commerzbank-Chefs ist Kirch-Media überlebensfähig. "Deshalb sind wir bereit, mit Know-how, unseren Kontakten, aber auch mit eigenem Geld zu helfen." Die Commerzbank wolle eine wichtige Rolle dabei spielen, Kirch-Media in eine gute Zukunft zu führen.

Im eigenen Haus allerdings ist Müller auch noch kräftig mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Dies gilt vor allem für das Asset Management (Vermögensverwaltung), das im vergangenen Jahr Verluste von 165 Millionen Euro verkraften musste. Die Bank wird sich auf Deutschland und wenige europäische Länder konzentrieren, das Geschäft in Italien, Nordamerika und Großbritannien einstellen und die Ableger Montgomery und Jupiter verkaufen. Im Inland wird das gesamte Fondsgeschäft in der neuen Cominvest zusammengefasst. "Wir schrumpfen um dadurch zu wachsen", sagt der Vorstandssprecher.

Insgesamt wird dieser Rückzug und das straffe Kostensenkungsprogramm mit der Reduzierung von derzeit knapp 800 auf nur noch 725 Filialen nach Ansicht von Müller eine deutliche Kostenentlastung bringen. Nach wie spricht die Commerzbank mit anderen Häusern über gemeinsame Unternehmen für den Zahlungsverkehr und die Wertpapierabwicklung. Damit sieht Müller sein Haus auf dem richtigen Weg. Damit würde die Bank auch für Investoren interessant. "Wir sind eine nicht verblühende Schönheit." Müller erwartet unter anderem, dass die italienische Generali ihren Anteil von derzeit 9,9 Prozent weiter aufstockt. Auch die Engagements von Münchener Rück und WCM, die jeweils mehr als fünf Prozent der Aktien halten, sind Müller willkommen.

Im vergangenen Jahr allerdings hat die Commerzbank, wie sie bereits im Februar berichtet hat, einen dramatischen Einbruch erlitten. Der Gewinn vor Steuern sackte von 2,23 Milliarden Euro auf nur noch 43 Millionen Euro ab. Nach Steuern reduzierte sich der Gewinn von 1,34 Milliarden auf nur noch 102 Millionen Euro, wobei die Bank auch noch 114 Millionen Euro vom Finanzamt zurück bekam. Der Provisionsüberschuss sank um 16,8 Prozent auf 2,267 Milliarden Euro. Der Zinsüberschuss legte um 1,8 Prozent auf 3,581 Milliarden Euro zu.

Für die Zahlung der um die Hälfte gesunkenen Dividende von 0,40 Cent muss die Commerzbank mit 115 Millionen Euro die Rücklagen beanspruchen. Die Aktie der Commerzbank notierte in einem freundlichen Marktumfeld am Dienstag 2,1 Prozent fester bei 19,90 Euro.

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