Wirtschaft : Commerzbank verkleinert das Investmentbanking 900 Stellen fallen weg – vor allem im Ausland

Werner Rüppel

Frankfurt am Main - Die Commerzbank hat in ihrer Investmentbanking- Sparte ein extrem schlechtes Ergebnis erzielt. Jetzt wird ein Großteil der Stellen gestrichen und der Vorstand neu besetzt. Bis zum April 2005 sollen 900 Stelle abgebaut werden, derzeit arbeiten im Investmentbanking-Bereich noch 1275 Beschäftigte. Gleichzeitig will sich das Institut in der Sparte neu positionieren und teilt dazu die Ressortzuständigkeiten im Vorstand neu auf.

Nach guten Zahlen im ersten Quartal 2004 stürzte der Bereich Investmentbanking im zweiten Quartal mit einem Minus von 47 Millionen Euro in die roten Zahlen. Im dritten Quartal wurde das Minus noch größer. „Für das operative Minus von 171 Millionen Euro gibt es trotz angespannter Marktverhältnisse keine akzeptable Entschuldigung“, sagte Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller. Während in diesem Bereich das Geschäft mit Kunden stabil und rentabel gewesen sei, habe es besonders im Eigenhandel mit Wandelanleihen hohe Verluste gegeben. „Wir haben keine guten Händler beschäftigt“, sagte Müller. Von den Verlustbringern will sich die Bank nun trennen.

Die Kürzungen betreffen vor allem das Ausland: Die Filiale Tokio wird geschlossen, in New York fallen 89 von 118 Jobs weg, in London rund 280 der 576. Frankfurt verliert dagegen mit 30 Arbeitsplätzen nur sieben Prozent der Belegschaft im Investmentbanking. Zu den Kürzungen im Kernbereich kommen weitere 410 Stellen in den unterstützenden Bereichen.

Commerzbank-Chef Müller betonte, dass die Bank das Investment Banking zurückschneide, aber nicht einstelle. Vielmehr möchte das Institut die kundenorientierten Bereiche sogar ausbauen. Im Vorstand übernimmt Nicholas Teller, der bisher für Firmenkunden zuständig war, das neu formierte Segment „Corporates&Markets“. Damit vollzieht die Commerzbank organisatorisch das nach, was andere Großbanken bereits vorgemacht haben. Vorstand Martin Blessing, bisher für Privatkunden zuständig, kümmert sich künftig um die Firmenkunden. Dafür rückt der Chef der Internettochter Comdirect, Achim Kassow, mit der Zuständigkeit private Kunden in den Commerzbank- Vorstand auf.

Wegen der Neuausrichtung , die mit einem Restrukturierungsaufwand in Höhe von 132 Millionen Euro verbunden ist, erzielte die Commerzbank im dritten Quartal einen Konzernverlust von 208 Millionen Euro. Für Januar bis September verbleibt noch ein Gewinn nach Steuern von 294 Millionen Euro. Für das vierte Quartal erwartet Müller wieder ein besseres Handelsergebnis und ein höheres Gesamtergebnis.

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