Wirtschaft : Commerzbank: Wieder auf Partnersuche

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Die Commerzbank hat bei ihrer Suche nach einem Partner erneut eine Niederlage hinnehmen müssen. Die Gespräche mit dem italienischen Finanzkonzern Unicredito über einen Zusammenschluss seien beendet worden, teilte die Bank am Dienstag mit. Angesichts der desolaten Lage an den Börsen, sei eine faire Bewertung der Unternehmen zurzeit kaum möglich, sagte ein Commerzbank-Sprecher. In Unicredito-Kreisen hieß es, die Verhandlungen seien an Differenzen über die Preise bei einem geplanten Aktientausch (siehe Lexikon, Seite 18) gescheitert. Berichten zufolge hat das Management der Commerzbank einen zu hohen Preis für eine Kontrollmehrheit der Italiener verlangt. Der Chef des viertgrößten deutschen Kreditinstituts, Klaus-Peter Müller, und sein Amtskollege Alessandro Profumo vom italienischen Branchenzweiten legten das Projekt einer europäischen Großbank deshalb vorerst zu den Akten. Die Commerzbank bleibe aber offen für das Konzept einer paneuropäischen Bank, sagte der Sprecher. Anders als die Versicherung Generali habe die Investoren-Gruppe Cobra, die knapp zehn Prozent der Commerzbank-Anteile hält, in den Gesprächen "keine Rolle" gespielt. Der italienische Generali-Konzern hält ebenfalls zehn Prozent und ist mit Unicredito verbunden.

Der Sprecher fügte hinzu, "Verhandlungen im strengen Sinne" habe es eigentlich nicht gegeben. Vielmehr seien lose Gespräche geführt worden. Es habe sich um das frühe Stadium eines "Ideenaustauschs" gehandelt. Dem Vernehmen nach hatte Unicredito im Falle eines Aktientausches eine zu starke Verwässerung seiner Kapitalbasis befürchtet. Commerzbank-Aktien drehten am Dienstag zunächst ins Minus, erholten sich später aber wieder. Sie notierte am Nachmittag bei 22,82 Euro. Unicredito-Aktien legten im Handelsverlauf um rund acht Prozent zu. Beide Aktien stehen seit Bekanntwerden der Verhandlungen Anfang August unter Druck. Analysten hatten sich skeptisch über Sinn und Zweck des Commerzbank-Engagements der Italiener geäußert, da mit einer Übernahme kaum Ertrags- oder Kostensynergien zu erzielen seien. Unicredito bemüht sich, im Privatkundengeschäft in Mittel- und Osteuropa zu expandieren. Nach der Übernahme der US-Fondsgesellschaft Pioneer im Jahr 2000 hat die Bank auch im internationalen Asset Management an Profil gewonnen.

Die Commerzbank wird sich nach dem Scheitern des Zusammenschlusses nun erneut auf die Suche nach einem Partner machen. Der Unicredito-Deal hätte die Frankfurter vor einer feindlichen Übernahme geschützt, die am Markt schon lange erwartet wird. "Wir sind offen für Gespräche und Kontakte", sagte ein Commerzbank-Sprecher. Einen aktuellen Gesprächspartner gebe es aber nicht. Die Commerzbank schließt nicht aus, dass beide Unternehmen sich nach einer Beruhigung der Märkte wieder zusammensetzen, um die "faszinierende Idee" doch noch zu verwirklichen.

Das Handelsblatt berichtet unter Berufung auf die Mailänder Zeitung "Milano Finanza", die italienische Banca Intesa bereite ein Übernahmeangebot für die Commerzbank vor. Gerüchte, wonach auch die Deutsche Bank interessiert sei, hatte Vorstandssprecher Rolf E. Breuer am Montag zurückgewiesen. Die größte deutsche Bank spreche aber über eine Zusammenlegung der Hypothekenbanken beider Institute.

Lange Liste gescheiterter Fusionen

Trotz aller Beschwichtigungsversuche ist die Commerzbank nun um eine Enttäuschung reicher. Nach den gescheiterten Verhandlungen mit der Dresdner Bank vor mehr als einem Jahr gab es fast jeden Monat neue Spekulationen um eine Kooperation, Fusion oder Übernahme. Zu den angeblichen Kandidaten gehörten die Hongkong-Shanghai Banking Corporation (HSBC), die niederländische ABN Amro, die Société Générale, die Royal Bank of Scotland und die spanische Banco Santander Central Hispano.

Die Commerzbank gilt wegen ihrer geringen Größe als allein kaum überlebensfähig. Im ersten Halbjahr verzeichnete sie einen drastischen Gewinnrückgang. Das Ergebnis vor Steuern sank im Jahresvergleich um 74 Prozent auf 495 Millionen Euro (rund 968 Millionen Mark). "Zur Eindämmung der Kostenflut" sollen unter anderem IT-Projekte gestrichen werden. Neben der Schließung von 100 Filialen im Inland wurde auch ein Einstellungsstopp verhängt. Trotz der ungünstigen Zahlen erhöhte sich wegen der anhaltenden Fusionsspekulationen der Börsenkurs vorübergehend. Hinter den Gerüchten wird die Investorengruppe Cobra vermutet, die ihren Commerzbank-Anteile zu einem möglichst hohen Preis veräußern will.

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