Wirtschaft : Commerzbank wird zur Not verstaatlicht Regierung könnte weitere Aktien übernehmen

Berlin - Die Bundesregierung schließt offenbar eine Verstaatlichung der Commerzbank nicht aus. Wenn es das zweitgrößte deutsche Kreditinstitut nicht schaffe, sich bis zum kommenden Sommer genug Kapital zu beschaffen, werde die Regierung den Bankenrettungsfonds Soffin reaktivieren und weitere Aktien des Finanzkonzerns übernehmen, berichtet der „Spiegel“ und beruft sich auf Regierungskreise. Man gehe davon aus, dass dem Bund bei einer Kapitalerhöhung die Mehrheit der Anteile zufallen würde. Berlin lehnt es dem Bericht zufolge ab, lediglich die angeschlagene Commerzbank-Tochter Eurohypo zu übernehmen.

Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums sagte dazu, die europäische Bankenaufsicht EBA habe ihre Zahlen, wie hoch die Rekapitalisierung einzelner europäischer Banken sein müsse, noch nicht veröffentlicht. Daher werde man sich nicht an diesen Spekulationen beteiligen. Die Commerzbank muss nach einer Vorgabe der EBA wie andere europäische Banken bis Ende Juni 2012 ihre Eigenkapitalquote auf neun Prozent hochschrauben. In den kommenden Tagen will die EBA offenlegen, wie viel Kapital sich die Kreditinstitute noch beschaffen müssen, um dieses Ziel zu erreichen.

In Aufsichtskreisen heißt es laut „Spiegel“, die Commerzbank brauche insgesamt rund fünf Milliarden Euro. Der Vorstand der Bank um Commerzbank-Chef Martin Blessing erläuterte diesen Darstellungen zufolge dem Aufsichtsrat am Freitag verschiedene mögliche Maßnahmen, um das Ziel ohne Staatshilfe zu erreichen. Der Erfolg hänge jedoch stark vom Fortgang der europäischen Staatsschuldenkrise ab, hieß es.

Kurz vor der Veröffentlichung der neuen Stresstest-Ergebnisse gingen die deutschen Sparkassen hart mit der zuständigen europäischen Bankenaufsicht ins Gericht. Er habe Zweifel, ob die bisherige Arbeit der European Banking Authority (EBA) „dem Ziel eines stabileren Finanzsektors“ diene, sagte der scheidende Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), Heinrich Haasis, der „Wirtschaftswoche“. Er hielt der in London ansässigen Behörde Willkür und Verunsicherung der Märkte vor. dpa

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