Wirtschaft : Commerzbank wird zweitgrößte deutsche Bank

Großbank stärkt sich mit der Übernahme des führenden europäischen Staats- und Immobilienfinanzierers Eurohypo

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Die Commerzbank steigt mit der Übernahme des führenden europäischen Staats- und Immobilienfinanzierers Eurohypo zum zweitgrößten Kreditinstitut in Deutschland auf. Die Bank, die selbst lange als Übernahmekandidat galt, will für rund 4,63 Milliarden Euro die Mehrheit an der Eurohypo übernehmen. Dies wäre der größte Zusammenschluss in der deutschen Finanzbranche seit der Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz im Jahr 2001.

Die Verhandlungen seien weit gediehen, teilte die Commerzbank am Dienstag mit. Ähnliches war von der Deutschen Bank zu hören. Die Commerzbank kauft Anteile der Deutschen und der Dresdner Bank, die 37,7 und 28,5 Prozent an der Eurohypo halten. Die Commerzbank selbst besitzt bereits knapp 31,2 Prozent, zwei Prozent der Aktien sind breit gestreut.

Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller erhofft sich von der Übernahme neue Marktchancen. „Davon sollten die Commerzbank und ihre Aktionäre in Form steigender und noch stabilerer Erträge profitieren“, sagte er. Eigenkapitalrentabilität und Gewinn des Instituts würden sich weiter verbessern. „Wir würden damit zur führenden Geschäftsbank innerhalb Deutschlands bei Finanzierungen aufsteigen.“ Die Commerzbank sei stark genug, den Kauf zu stemmen. Auch die Börse traute das dem Geldinstitut zu: Die Aktie legte am Dienstag um 1,8 Prozent auf 23,29 Euro zu.

Die Bilanzsumme der fusionierten Bank wird mit rechnerisch fast 700 Milliarden Euro deutlich höher sein als die der bisher zweitgrößten deutschen Bank, der Hypo-Vereinsbank. Die von der italienischen Unicredito übernommene Bank kam zuletzt auf 495,7 Milliarden Euro. Mit 972 Milliarden Euro Bilanzsumme ist die Deutsche Bank weiter Marktführer.

Am Donnerstag soll die Eurohypo-Übernahme verkündet werden. Wie die Commerzbank das größte Geschäft ihrer Geschichte finanziert, ist noch nicht klar. Beitragen soll auch der Verkauf des 2,9-prozentigen Anteils der Commerzbank an der italienischen Banca Intesa für 800 Millionen Euro, der ebenfalls am Dienstag bekannt gegeben wurde. Offenbar denkt das Institut außerdem an eine Kapitalerhöhung.

Mit dem Erwerb der Eurohypo steigt die Commerzbank zu einem der größten Finanzierer von privaten und gewerblichen Immobilien in Deutschland auf. Noch am Montag hatte auch die deutlich kleinere Münchener Hypo Real Estate großes Interesse an der Eurohypo bekundet. Allerdings besitzt die Commerzbank ein Vorkaufsrecht. Sie gewinnt mit dem Kauf auch wieder ein stärkeres Gewicht jenseits der Grenze. Nach der Krise vor zwei Jahren hatte die Bank ihre Präsenz im Ausland reduziert und Ableger in den großen Finanzzentren zum Teil geschlossen. Gleichzeitig konzentrierte sie sich in Deutschland vor allem auf das Geschäft mit dem Mittelstand.

Die Eurohypo entstand 2002 aus dem Zusammenschluss der Hypothekenbanken der Commerzbank sowie der Deutschen und der Dresdner Bank. Mit rund 2600 Mitarbeitern erwirtschaftet sie solide Erträge. Sie hat ihr Auslandsgeschäft in den vergangenen Jahren stark ausgeweitet und das Geschäft mit Staatsfinanzierungen deutlich vorangetrieben. Im Immobilienneugeschäft hat Deutschland nur noch einen Anteil von 27 Prozent, beim Finanzierungsvolumen soll der Anteil von 70 auf 50 Prozent zurückgehen.

Das Management ist von der Übernahme durch die Commerzbank alles andere als begeistert. Das passe kaum, hatte Finanzvorstand Jochen Plesser noch vergangenen Woche gesagt. Am Dienstag bekräftigte das Unternehmen, „an der Gesellschaftsform der Eurohypo und damit ihrer Eigenständigkeit wird sich durch diese Transaktion nichts ändern“.

Analysten zeigten sich von der Übernahme nicht überrascht. „Die Commerzbank will in Deutschland Marktanteile gewinnen, da passt die Eurohypo“, sagt Dieter Hein von Fairesearch.

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