Wirtschaft : Computer 2000 steht vor dem Verkauf

Viag will sich offenbar vom größten europäischen PC-Händler trennen / US-Firmen interessiert MÜNCHEN (wis/HB).Börsen- und Branchengerüchte über einen bevorstehenden Verkauf der Mehrheit an der Computer 2000 AG, München, verdichten sich und werden vom Hauptaktionär Viag AG (über 75 Prozent) nicht mehr eindeutig dementiert.Lediglich einen Bericht der Lebensmittelzeitung, daß eine Veräußerung des größten europäischen Händlers für PC und Computerzubehör an den Metro-Konzern bevorstehe, hat Viag-Chef Georg Obermeier klar verneint.Zum Verkauf an sich heißt es bei der Viag nur, "wir kommentieren diese Gerüchte nicht".Dem Vernehmen nach sind die seit einiger Zeit intensiv angestellten "grundlegenden" Überlegungen des Viag-Vorstands über die Zukunft des Großhändlers mit zuletzt 8,23 Mrd.DM Umsatz, den die Viag erst 1994 übernommen hatte, zwar noch nicht abgeschlossen, die Zeichen stünden aber eher auf Verkauf.Andere Quellen berichten, daß es möglicherweise schon "gelaufen" sei.In der Fachpresse werden vor allem zwei große US-Distributoren als Übernehmer gehandelt; vor allem die Nummer zwei weltweit, Tech Data (laut "Computerwoche").Auch Weltmarktführer Ingram Micro, der in Europa ungeachtet sehr früher Ankündigungen auf eine schnelle Marktführerschaft bislang nur auf Platz drei vorstoßen konnte, gilt als Kandidat.Im Viag-Vorstand galt der Vorsitzende Obermeier bislang als Anhänger eines langfristigen Engagements beim C 2000-Konzern, der zwar in den letzten beiden Jahren durch einen mißglückten Einstieg in den US-Markt in die Verlustzone gerutscht war, aber unbelastet ins laufende Geschäftsjahr starten konnte und nun eine steigende Kapitalrendite verspricht.Andere Vorstände sollen dagegen vehement für einen Verkauf eingetreten sein; zuletzt hatte sich sogar Viag-Aufsichtsratschef Jochen Holzer (laut "Capital") offen für den Ausstieg ausgesprochen.Auch Wertpapieranalysten, die C 2000 in einer klassischen Turnaround-Situation sehen, schließen einen bevorstehenden Verkauf nicht aus.Dies hänge sicherlich davon ab, wieweit ein Käufer beim Preisangebot über die gegenwärtige Marktkapitalisierung von rund 600 Mill.DM (bei rund 620 DM Börsenkurs) hinausgehe, hieß es.Vorwiegend werden die C 2000-Aktien, die noch zu rund 18 Prozent in Streubesitz sind, als "Outperformer" im Vergleich zur allgemeinen Börsenentwicklung gesehen.Analysten der LB Schleswig-Holstein erwarten im Falle einer Übernahmespekulation einen Kursaufschwung bis auf 750 DM.Die Gewinnerwartungen für C 2000 sind positiv: C 2000-Chef Walter von Szczytnicki hatte kürzlich für das laufende Geschäftsjahr (30.September) einen Rekord-Vorsteuergewinn von mehr als 80 Mill.DM.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben