Wirtschaft : Computer 2000 verbessert

Eigenständigkeit betont / Furcht um die Arbeitsplätze MÜNCHEN (tmh).Die Computer 2000 AG, München, will nicht im Konzernverbund ihres künftigen Großaktionärs Tech Data Inc., Clearwater/Florida, untergehen."Wir werden in keinem Fall einem Zusammengehen von Computer 2000 und Macrotron zustimmen", kündigte Computer 2000-Chef Walter von Szczytnicki vor Journalisten in München an.Der Computer 2000-Chef verwies auf Äußerungen von Data Tech, daß ein Verkauf von Macrotron durch den US-Konzern "eine Option" sei. Der Mischkonzern Viag AG, München, gab am 15.April bekannt, daß der 80 Prozent-Anteil an dem Computergroßhändler an den US-Konzern Tech Data abgegeben werden soll.Im Gegenzug wird sich der Viag-Konzern mit Aktien und Aktienoptionen an Tech Data beteiligen, wobei der Anteil von gut vier Prozent bis zu 16 Prozent reicht. Tech Data hatte vor kurzem die Macrotron AG, München, übernommen und will von der Viag AG, München, nun die Mehrheit an Computer 2000 erwerben.Ein Zusammenfassen der beiden Computerhändler Computer 2000 und Macrotron hätte große Abschmelzverluste, einen mehrere Jahre anhaltenden Gewinnrückgang und den Verlust von Arbeitsplätzen zur Folge, sagte Szczytnicki.Eine Fusion würde bei den Kunden und bei der Lieferantenseite negative Reaktionen auslösen, befürchtet der Computer 2000-Chef.Er habe seinen Mitarbeitern erklärt: Macrotron bleibt Wettbewerber", sagte Szczytnicki weiter. Ein Zusammengehen von Computer 2000 und Macrotron im deutschsprachigen Raum sei für den Vorstand keine Option.Er könne sich auch nicht vorstellen, künftig als Tech Data zu firmieren.Das sei nicht als Kampfansage an den künftigen Großaktionär zu verstehen.Im Gegensatz zum Verkäufer Viag sieht Computer 2000 selbst kurzfristig gar keine Synergie-Effekte wegen der Übernahme durch Tech Data."Jeder der von der Branche etwas versteht, weiß, daß es richtig ist, was ich sage", betonte Szczytnicki.Tech Data und Computer 2000 würden sich aber regional ergänzen und könnten "mittelfristig voneinander lernen". Hauptproblem bei einer Fusion seien die Überlappungen von Computer 2000 und Macrotron in Deutschland, so Szczytnicki.Deswegen wird in der Branche und an der Börse über einen Weiterverkauf von Macrotron an den weltgrößten Computerhändler Ingram Micro aus den USA oder die deutsche Kaufhauskette Metro, die ebenfalls Interesse an Computer 2000 gezeigt habe, spekuliert. Die Computer 2000-Belegschaft bangt indessen um ihre Stellen und fürchtet, ein Schicksal wie Macrotron zu erleiden.Tech Data ist gerade dabei, Macrotron unter großem Protest von Kleinaktionären in eine GmbH umzuwandeln und vom Kurszettel zu nehmen."Ich teile diese Sorgen nicht," sagte Szczytnicki.Ein solcher Schritt wäre wirtschaftlich nicht sinnvoll.Computer 2000 sei "ein anderes Kaliber" als Macrotron.Auszuschließen sei ein radikales Vorgehen von Tech Data allerdings nicht.Eine formelle Bewertung des geplanten Eigentümerwechsels bei Computer 2000 lehnte dessen Vorstand als "unerheblich" ab.Es habe noch keine Gespräche mit Tech Data gegeben.Die Computer 2000-Führung steht dem Deal aber offenbar reserviert gegenüber. Der sieht vor, daß die Viag im Tausch gegen ihren 80prozentigen Computer 2000-Anteil Aktien und Aktienoptionen im Umfang von maximal 16 Prozent an Tech Data erhält, Dies entspricht einem Transaktionsvolumen von 720 Mill.DM. Kenner der Szene werten das als Ausstieg von Viag aus dem Computerhandel.Für Computer 2000-Vorstand Manfred Günzel ist das "richtig interpretiert".Der Verkauf trifft Computer 2000 im besten Jahr ihrer Firmengeschichte, erklärte der Vorstand weiter.Nach dem Verlustjahr 1996/97 müsse der der Konzern nun für die laufende Periode die Umsatzprognose deutlich und die Ertragsprognose sogar um 50 Prozent nach oben korrigieren.Im Geschäftsjahr 1997/98 (zum 30.September) erwartet Computer 2000 nun einen Konzernumsatz von rund zehn (Vorjahr 8,3) Mrd.DM und über 120 (61) Mill.DM Vorsteuergewinn.Beides sollte ursprünglich erst ein Jahr später erreicht werden.Im ersten Halbjahr 1997/98 steigen der Umsatz um 22 Prozent auf 5,2 Mrd.DM und das Ergebnis vor Steuern von 38 Mill.DM Verlust auf 80,4 Mrd.DM Gewinn.Die umfassenden Restruktrierungsmaßnahmen zeigten ihre Wirkung, hieß es beim Vorstand.Eine Dividende dürfte 1999 wieder ausgeschüttet werden.Binnen fünf Jahren peilt Computer 2000 in der jetzigen Struktur über 20 Mrd.DM Umsatz und 200 bis 300 Mill.DM Gewinn vor Steuern an."Die guten Jahre liegen noch vor uns," hofft Szczytnicki.

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