Wirtschaft : Computer aus, Kerze an

Party für alle oder Essen auf eigene Rechnung – was Berliner Firmen zu Weihnachten veranstalten

Larissa Klatt

Berlin - Dussmann gehörte zu den Ersten. Die gut 200 Mitarbeiter des Kulturkaufhauses haben ihre Weihnachtsfeier bereits hinter sich. Ort des Geschehens: Das traditionsreiche Tanzlokal Ballhaus Berlin in der Chausseestraße in Mitte. Neben Plüsch und Pomp im Stil der 20er Jahre auf dem Parkett, auf der Empore und den Sitzbalkons gibt es dort auch 44 Tischtelefone, die dabei helfen, dass die Kommunikation zwischen den Kollegen nicht abreißt. Kam das Gespräch am eigenen Tisch nicht so recht in Fahrt, griff man zum Telefon und überredete den Kollegen der Wahl zum Date an der Spiegelbar oder der Champagnerlounge. Zur „Stärkung des Gemeinschaftsgefühls“ finanzierte Dussmann auch einen Animateur, der Gruppenspiele anschob.

Ähnlich wie das Kulturkaufhaus, das Teil der 50 000-Mitarbeiter starken Dussmann-Gruppe ist, richten Konzerne selten Weihnachtsfeiern für die gesamte Belegschaft aus. Denn die oft mehrere Tausend Beschäftigten machen ein gemeinsames Fest mit Weihnachtsgans und Champus nicht nur zu einer organisatorischen Herausforderung, sondern auch zu einer erheblichen Investition, vor der die Unternehmen zurückschrecken. Daran hat sich auch im Wirtschaftsaufschwung nicht viel geändert. Kleinere Firmen feiern dagegen umso lieber groß.

Einige Unternehmen nehmen das Fest auch zum Anlass für soziales Engagement, anstatt eine Party für die Mitarbeiter zu schmeißen. Die Deutsche Bank etwa veranstaltet wie auch schon im vergangenen Jahr im Dezember eine Adventsfeier. Nicht für die 3000 Berliner Mitarbeiter selbst, sondern für mehrere Hundert Sprösslinge der Beschäftigten mit Kindertheater und -buffet in der Zentrale Unter den Linden. Reichlich beschenkt werden in diesem Jahr auch die Kinder des Integrationskindergartens in Hohenschönhausen. Auch die Berliner Gegenbauer- Gruppe gibt zwar keine Feier für die 5000 in der Hauptstadt beschäftigten Mitarbeiter. Der Gebäudemanager kümmert sich dafür aber um krebskranke Kinder und richtet für diese ein Weihnachtsfest im Klinikum Berlin-Buch aus.

Viele kleine Unternehmen der Hauptstadt wollen dagegen alle Mitarbeiter für einen Abend zusammenbringen und ihnen etwas bieten. Der mittelständische Baustoff-Fachhändler Kapella etwa spendiert seinen knapp 100 Berliner Mitarbeitern eine Musicalvorstellung und einen Restaurantbesuch mit anschließendem Umtrunk. Ordentlich investieren wird auch der Berliner Medizintechniker Eckert & Ziegler für seine 200 Mitarbeiter am Standort. In die Campus-Mensa in Berlin-Buch sind auch Partner und Kinder der Beschäftigten eingeladen, um gemeinsam einer Märchenfee zu lauschen und zu basteln. Geschenke gibt es für die Kinder, Glühwein für die Erwachsenen. Am Abend steigt die Weihnachtsparty mit Buffet und Cocktails.

Eine Weihnachtsveranstaltung für alle 6000 Berliner Mitarbeiter des Autokonzerns Daimler wird es dagegen nicht geben. Die Dimensionen seien viel zu groß, heißt es beim Unternehmen. Die einzelnen Abteilungen feiern daher in Eigenregie etwa bei einem Umtrunk im Büro mit mitgebrachten Lebkuchenherzen. Auch bei Siemens in Berlin gab es wegen der großen Zahl der Mitarbeiter noch nie eine Weihnachtsfeier für alle. Die Beschäftigten müssen jedoch nicht die private Weihnachtskasse schröpfen. Siemens hält jährlich Gelder speziell „zur Motivation der Mitarbeiter und zur Stärkung des Zusammenhalts“ bereit. Ein Teil davon fließt auch in unterschiedliche kleine Weihnachtsaktionen der Abteilungen. So treffen sich die rund 30 Berliner Personalleiter von Siemens dieses Jahr im Untergrund: Jenseits allen Adventskommerzes unternehmen sie eine Führung durch Berlins Tunnel und stillgelegte Bahnhöfe. Im Schaltwerk machen die 100 Mitarbeiter an einem Dezembernachmittag die Maschinen aus und die Kerzen an. Das Essen wird ins Werk geliefert und gefeiert wird in vertrauter Umgebung.

Die meisten Mitarbeiter großer Firmen gehen jedoch mit ihren Abteilungen im kleinen Kreis in eines von Berlins unzähligen Restaurants. Die Beschäftigten von Bayer-Schering-Pharma werden zum Essen auf Betriebskosten eingeladen, die Volksbank-Mitarbeiter zahlen selbst. Andere müssen auf ein Weihnachtsevent ganz verzichten. Bei den Kaufhausmitarbeitern von Karstadt etwa fehlt zu Weihnachten schlicht die Zeit. Wenn die Filialen in den Adventswochen von Montag bis Sonntag geöffnet haben, wird jeder einzelne gebraucht.

Der Streik geplagten Deutschen Bahn dürfte in diesem Jahr ohnehin kaum nach Feierlichkeiten zumute sein. Ein großes Fest sei für den Konzern, der allein in Berlin 18 000 Beschäftigte hat, zu Weihnachten allerdings sowieso kein Thema, sondern Sache der einzelnen Abteilungen, sagt ein Sprecher. Klein hält es offenbar auch der Energiekonzern Vattenfall. Es gibt kein Fest für die 4000 Berliner Beschäftigten. Was die einzelnen Abteilungen machen, sei nicht bekannt, sagt ein Vattenfall-Sprecher.

Die Ausnahme unter den Großunternehmen ist Air Berlin. Der Konzern gönnt sich auch in Sachen Weihnachtsfeier einen Höhenflug und scheut keine Kosten. Zum Fest serviert die Fluggesellschaft rund 1500 Berliner Mitarbeitern ein mehrgängiges Weihnachtsmenü im Hotel Estrel in Neukölln. „Schon seit 2003 feiern wir im Estrel, weil dies der einzige Veranstaltungsort in ganz Berlin ist, der eine Party mit so vielen Gästen fassen kann“, sagt eine Unternehmenssprecherin. In mehreren Städten investiert Air Berlin in weitere Partys für die anderen Mitarbeiter. Fluggäste bräuchten sich aber um ihre Sicherheit keine Sorgen zu machen. Die 24-stündige Abstinenzphase der Piloten, die am nächsten Tag ein Flugzeug steuern sollen, werde in jedem Fall eingehalten.

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