Computer- und Fernsehgeschäft : Sony schaltet ab

Die Vaio-Computer von Sony waren so schick, dass sogar Apple-Ikone Steve Jobs einst Gefallen an ihnen fand. Doch die Zeit klassischer Computer ist vorbei - und die der Fernseher auch.

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Die Zeit des klassischen Computers - ob als Laptop oder als Desktop - neigt sich dem Ende entgegen. Einige Hersteller versuchen es mit einer Mischung aus Laptop und Tablet - auch Sony.
Die Zeit des klassischen Computers - ob als Laptop oder als Desktop - neigt sich dem Ende entgegen. Einige Hersteller versuchen es...Foto: AFP

Die Geschichte klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Steve Jobs, 2011 verstorbener Chef und Kopf der Marke Apple, hatte eine Schwäche für Sony. Genauer gesagt für die edle Computermarke Vaio, die die Japaner 1996 gegründet hatten. Bei einer gemeinsamen Golfrunde 2001 soll er dem damaligen Sony-Präsidenten Kunitake Ando ein Angebot gemacht haben: Er wollte die Vaio-Rechner mit dem Apple-Betriebssystem Mac-OS ausstatten. Damals galt beim US-Konzern bereits die Linie, dass Apple-Software nur auf Apple-Geräten laufen sollte. Doch für Sony hätte Jobs eine Ausnahme gemacht, schreibt Blogger Nobuyuki Hayashi, der seit zwei Jahrzehnten über den japanischen Elektronikkonzern berichtet. Doch Sony hatte gerade alles auf Microsofts Windows optimiert – und lehnte ab.

Nun, mehr als zehn Jahre später, beendet Sony das Kapitel Vaio. Wie bereits in den vergangenen Tagen spekuliert, verkauft das Unternehmen die Computersparte an den Investmentfonds Japan Industrial Partners. Das teilte der Konzern am Donnerstag in Tokio mit. Für den bröckelnden Geschäftsbereich bekommt Sony nach Medienberichten umgerechnet maximal 360 Millionen Euro. Einst setzte das Unternehmen bis zu neun Millionen Computer im Jahr ab. Doch inzwischen kaufen Kunden lieber Tablets als Laptops. Allein im vergangenen Jahr rauschte der branchenweite Absatz mit klassischen Computern um zehn Prozent nach unten. Sonys Marktanteil liegt nach Angaben des US-Forschungsinstituts Gartner noch bei 1,9 Prozent.

Der Umbau kostet Geld und tausende Jobs

Insgesamt befindet sich Sony – in den 1980er Jahren Erfinder des tragbaren Musikspielers Walkman – in einem Umbauprozess. Konzernchef Kazuo Hirai nimmt dafür auch Rückschläge auf der Ertragsseite in Kauf. Die seit Jahren verlustbringende Fernsehsparte lagert er aus, so soll sie sich leichter veräußern lassen. Zunächst kosten die Umbaumaßnahmen aber viel Geld. Statt einem angepeilten Gewinn von 220 Millionen Euro wird am Ende des laufenden Geschäftsjahres im März wohl ein Minus von 800 Millionen Euro (110 Milliarden Yen) in den Büchern stehen. Rund 5000 der weltweit 145 000 Stellen sollen wegfallen. Erst für das übernächste Geschäftsjahr (2015/16) erwarten die Japaner, dass sich die Einschnitte auszahlen. Um rund 730 Millionen sollen die jährlichen Fixkosten langfristig sinken.

Sony will sich im Technikbereich künftig auf Spielkonsolen, Handys und Tablets konzentrieren. Auch dank der neu eingeführten Playstation 4 hatte sich der Betriebsgewinn im Weihnachtsquartal auf rund 660 Millionen Euro verdoppelt. Zudem verkauften sich den Angaben zufolge Smartphones besser – und vor allem zu einem höheren Durchschnittspreis. In dem hart umkämpften Markt gelten Apple und Samsung als die einzigen Anbieter, die mit den Geräten tatsächlich Geld verdienen. (mit rtr)

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