Computerbranche : Fujitsu schafft 400 Arbeitsplätze in Berlin

Mehr als ein Callcenter: Das japanische IT-Unternehmen Fujitsu plant in Berlin ein internes Dienstleistungszentrum. Das braucht Mitarbeiter.

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Verkabelt. Telefonjobs werden in Berlin immer zahlreicher.
Verkabelt. Telefonjobs werden in Berlin immer zahlreicher.Foto: ddp

Berlin - Noch mehr Telefonjobs für die Stadt: Das japanische Computerunternehmen Fujitsu will in Berlin ein Telesales Center eröffnen. Per Telefon und Internet sollen Mitarbeiter von dort aus künftig international Geschäfte abwickeln. Dafür plant Fujitsu, zunächst 100, innerhalb der nächsten zweieinhalb Jahre bis zu 400 Stellen zu schaffen. Das kündigte Rolf Schwirz, Vorstandschef der Fujitsu-Tochter Fujitsu Technology Solutions, am Montag in Berlin an.

Damit hat das Unternehmen den zweiten Standort für seine geplanten Telesales-Aktivitäten gefunden: Bereits vor einigen Wochen hatte sich der IT-Konzern auf eine Niederlassung in Barcelona verständigt. Wie in Spanien soll nun also auch in Berlin ein Vertriebs- und Service-Zentrum entstehen, das die hauseigenen Dienstleistungen in Europa, dem Nahen Osten, Afrika und Indien bündelt. „Wir stellen hochqualifizierte Mitarbeiter ein“, sagte Schwirz.

Call-Center ist nicht gleich Call-Center

Mit der Entscheidung für Berlin scheint der hiesige Callcenter-Sektor einmal mehr an Größe zu gewinnen: 240 solcher Telefonunternehmen gibt es in Berlin und Brandenburg. 25 000 Menschen sind bei ihnen beschäftigt. Etliche davon in prekären Arbeitsverhältnissen, weshalb die Branche in Verruf geriet. Der Berliner Fujitsu-Standort aber soll einem komplett anderen Konzept folgen, betont der Konzern: „Das hat nichts mit einem Callcenter der üblichen Art und Weise zu tun“, sagte Schwirz.

Worin aber besteht der Unterschied? „In dem Center, das Fujitsu in Berlin schaffen will, sollen unternehmensnahe Dienstleistungen zusammengefasst werden“, sagt Christoph Lang von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berlin Partner, die Fujitsu bei der Umsetzung seines Vorhabens unterstützt. „Die Mitarbeiter werden fest an den Konzern angedockt sein, nicht im Auftrag Dritter arbeiten.“ Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stünden konzerninterne Belange sowie der Kontakt zu professionellen Geschäftskunden. Privatkundenwerbung werde von Berlin aus nicht stattfinden, hieß es.

Im Modell Tele-Organisation erkennt Lang einen neuen Trend: Ob Personal- oder Finanzwesen, Buchhaltung oder eben Vertrieb, mehr und mehr gingen Unternehmen dazu über, diese Geschäftsfelder unter einem Dach zu bündeln und räumlich auszulagern. Firmen könnten sich auf diese Weise schlüssiger organisieren. So hat in Berlin zum Beispiel die BASF ein inzwischen 1000 Mitarbeiter starkes Tele-Zentrum an der Oberbaumbrücke in Kreuzberg, die Deutsche Bank nutzt das Modell für die Sparte Risk Management und will den Mitarbeiterstab ihrer Telefonzentrale in Charlottenburg von derzeit 300 auf 700 Arbeitnehmer ausbauen. Auch der Reiseveranstalter Opodo, Mercedes und VW verfügen über ähnliche Einrichtungen in der Hauptstadt. „Das ist inzwischen ein weit etablierter und völlig eigenständiger Bereich“, sagt Lang.

Berlin setzte sich gegen 20 Städte durch

Bei der Dienstleistungsgesellschaft Verdi gibt man ihm zu großen Teilen recht: „Natürlich sind die sogenannten Telesales-Center mit dem Callcenter verwandt“, sagt Ulrich Beiderwieden, der sich bei Verdi mit Callcentern beschäftigt. „Ich würde aber sagen: Was Fujitsu in Berlin vorhat, hebt sich mit Sicherheit nach oben ab.“ Grundsätzlich seien die Grenzen im Bereich der Telefonarbeit schwer zu ziehen. „Entscheidend ist aber, dass die Mitarbeiter anständig bezahlt werden und unter annehmbaren Bedingungen arbeiten.“ Eigenen Angaben zufolge will Fujitsu unbefristete und sozialversicherungspflichtige Stellen schaffen. „Aufgrund des speziellen und komplexen Geschäftsbereichs wird Fujitsu Fachpersonal benötigen. Auch deshalb ist davon auszugehen, dass der neue Standort andere Standards erfüllen wird als die gängigen Callcenter“, vermutet Beiderwieden.

Das Unternehmen Fujitsu bietet Soft- und Hardware an. Weltweit beschäftigt der Konzern 170 000 Mitarbeiter, davon 6000 in Deutschland. In Augsburg stellt Fujitsu als einziges Unternehmen Computer in Europa her. Verstärkt will sich der Konzern künftig auch auf die Produktion und Programmierung von Mobiltelefonen konzentrieren. Fujitsu Technology Solutions ist aus einem Joint-Venture des japanischen Konzerns mit Siemens hervorgegangen, das bis 2009 50 Prozent der Anteile hielt.

Im Auswahlverfahren hat sich die Stadt gegen 20 Mitbewerber durchgesetzt. „Für Berlin als Standort sprach letztlich eine ganze Menge“, sagt Schwirz. Günstige Mieten, aber auch die Internationalität der Stadt hätten die Entscheidung beeinflusst. „Wir brauchen Mitarbeiter, die Fremdsprachen sprechen.“ Menschen aus 190 verschiedenen Nationen seien in Berlin beheimatet. „Zudem ist es einfach eine attraktive Stadt.“

Schon jetzt beschäftigt Fujitsu Technology Solutions Mitarbeiter in Berlin: In zwei Niederlassungen an der Frankfurter Allee in Friedrichshain und in Siemensstadt. Beide haben zusammen 500 Mitarbeiter. Mit dem Telesales-Zentrum soll ein eigenes Tochterunternehmen gegründet werden. „Das wird durch und durch berlinerisch“, sagte Schwirz am Montag. Auch die Gewerbesteuern gehen somit an das Land Berlin. Harald Wolf (Linke), Berlins Wirtschaftssenator, begrüßte den Zuwachs.

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