Wirtschaft : Computerbranche lässt im Ausland arbeiten

Studie: Neun von zehn Firmen wollen so sparen

D. Rosenfeld

Berlin - Um Kosten zu sparen, verlagern deutsche Unternehmen mittlerweile nicht nur ihre Produktion ins Ausland, sondern zunehmend auch Dienstleistungen. „Von diesem Trend ist besonders die Informations- und Telekommunikationsbranche betroffen“, sagte der Vizepräsident des Branchenverbands Bitkom, Jörg Menno Harms, am Dienstag in Berlin. Dort präsentierten Bitkom und Deutsche Bank Research den „Offshoring-Report 2005“. Die Studie ist mit 570 befragten Firmen die bislang umfangreichste Untersuchung über die Verlagerung von Dienstleistungen in der IT-Branche.

90 Prozent der befragten Firmen nannten als Grund für ihre Auslagerungsaktivitäten, Kosten sparen zu wollen. „Das sollte uns zu denken geben“, warnte Harms. Die USA seien da weiter, hier seien die Optimierung der Unternehmensprozesse und der Gewinn von externem Wissen die entscheidenden Gründe für die Auslagerung von Dienstleistungen.

Mit den Kosteneinsparungen ist in Deutschland oft auch der Abbau von Arbeitsplätzen verbunden. Zwar gaben rund 16 Prozent der befragten Unternehmer an, in ihrem Betrieb seit Beginn der Auslagerungsaktivitäten neue Arbeitsplätze geschaffen zu haben – doch über 20 Prozent der Befragten haben Stellen abgebaut. Dieser Trend wird sich fortsetzen: Auch wenn über 30 Prozent der Firmen in den kommenden fünf Jahren planen, zusätzliche Stellen zu schaffen, wollen ebenso viele Unternehmen Stellen streichen. „Per Saldo ist bei den Arbeitsplätzen ein leichter Rückgang zu verzeichnen“, sagte Jürgen Schaaf, Mitautor der Studie.

Insgesamt steht das Outsourcing-Geschäft in Deutschland noch am Anfang, für 2005 rechnet Bitkom mit einem Volumen von 600 Millionen Euro. Zum Vergleich: In den USA ist der Markt etwa hundertmal größer. Aber auch für den deutschen Markt sei bis 2010 ein Umsatzwachstum von über 20 Prozent zu erwarten, heißt es in der Studie. Dabei werden IT-Dienstleistungen künftig vor allem nach Osteuropa ausgelagert. Neben firmeninternen Prozessen wie Buchhaltung und Personalverwaltung gehören dazu auch Forschung und Entwicklung. So gaben 40 Prozent der Befragten an, Teile ihrer Forschungs- und Entwicklungsabteilungen ausgelagert zu haben oder das in naher Zukunft zu planen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar