Computerführerschein : Neustart

Auch heute noch gibt es Menschen, die kaum mit Monitor und Maus gearbeitet haben – vom Maurer bis zur Altenpflegerin. Für sie lohnen sich Kurse, die auf das Zertifikat „Europäischer Computerführerschein“ vorbereiten.

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Am Arbeitsplatz. Wer früher auf einer Baustelle arbeitete, brauchte keine Computerkenntnisse. Heute sind sie in den meisten Berufen notwendig. Der Computerführerschein ist besonders interessant für Umschüler und Arbeitssuchende, die bislang im Arbeitsalltag weder Maus noch Keyboard gebraucht haben.
Am Arbeitsplatz. Wer früher auf einer Baustelle arbeitete, brauchte keine Computerkenntnisse. Heute sind sie in den meisten...Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Tagtäglich diskutieren Menschen über ihre neuesten Handy-Apps oder sichere Email-Verschlüsselung. Dabei gerät leicht aus dem Blick, dass selbst PC-Grundanwendungen nicht für alle Berufstätige eine Selbstverständlichkeit sind. Es gibt viele Gründe, warum ein Berufstätiger heute mit IT noch kaum Kontakt gehabt haben kann: Etwa ein Mensch, der jahrelang in der Pflege gearbeitet hat und in dessen Ausbildung IT noch keine Rolle gespielt hat. Oder ein Angestellter eines kleineren Betriebes, dessen Chef selbst nicht besonders versiert am Computer ist und sein Unternehmen erst spät umgestellt hat. Oder ein 50-jähriger Maurer, der bislang auch ohne Computerkenntnisse arbeiten konnte, nun aber aus gesundheitlichen Gründen eine neue Arbeit braucht.

Der Computerführerschein ist ein Lernprogramm, das IT-Anfänger Schritt für Schritt auf den gängigen Kenntnisstand für Computeranwendungen bringt. Etwa für Textverarbeitung oder für Tabellenkalkulationen wie sie in Büros häufig gebraucht werden. 50 Weiterbildungseinrichtungen, Schulen und auch Unternehmen bieten in Berlin Vorbereitungskurse für den Computerführerschein an und nehmen die Prüfung für ein entsprechendes Zertifikat ab. In Berlin haben 2013 um die 1300 Personen die Prüfung abgelegt. International sind es insgesamt 13 Millionen Menschen, der Computerführerschein ist in 148 Ländern anerkannt. Die anschließende Prüfung ist besonders für Umschuler und Arbeitssuchende interessant, um Fähigkeiten nachzuweisen.

„Die Leute kommen mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen“, sagt Lernberaterin Angela Bonczkiewicz vom Trainingszentrum Intrain in Mitte. Für manche sei es eine Herausforderung mehrere Computertasten gleichzeitig zu drücken, um eine eckige Klammer am Bildschirm erscheinen zu lassen. Die meisten Teilnehmer bringen aber schon Erfahrungen aus dem privaten Gebrauch mit, an denen sich ansetzen lässt: sie haben zu Hause Computerspiele gespielt oder online Videos gesehen. Wie sie den Computer aber für die Arbeit verwenden können, da herrscht teilweise große Unsicherheit. Je nach vorhandenen Kenntnissen werden die ersten Lernziele definiert: mit einer Textverarbeitung eine Bewerbung schreiben, eine Email verschicken. Später eine Kalkulation für die privaten Finanzen anlegen oder eine Präsentation am Computer erstellen.

Der Computerführerschein ist in Modulen aufgebaut: neben Grundkenntnissen der IT sucht man sich seine Wahlfächer zusammen. Das Programm wird kontinuierlich überarbeitet und aktuellen Standards angepasst. Im Herbst sind etwa die Wahlfächer Bildbearbeitung, Online-Kommunikation und IT-Sicherheit dazu gekommen. An vielen Weiterbildungszentren wie Intrain wird nach dem Selbstlerner-Prinzip gelernt: Die Teilnehmer bekommen eine Einführung, erarbeiten sich dann die Inhalte der einzelnen Module mit Hilfe von Lernunterlagen vorwiegend selbst an ihrem Rechner. Haben sie Fragen sollen sie zuerst versuchen, sich selbst in Internetforen schlau zu machen und sich gegenseitig zu helfen. Denn auch später ist es für Anwender wichtig, Fragen selbstständig beantworten zu können und auch am Laufenden zu bleiben. Lässt sich das Problem so nicht lösen, steht eine Lernberaterin für die Gruppe zur Hilfe bereit.

Ein weiterer Vorteil ist, dass jeder nach dem eigenen Tempo lernen kann. Das kann aber auch abschreckend wirken. Und es setzt voraus, dass man selbstständig lernen kann. Interessierte sollten also bei der Wahl eines Anbieters möglichst einen halben oder ganzen Tag lang schnuppern, ob ihnen dieser Lernansatz liegt und ob sie dort auch unterstützt werden, selbstständiges Lernen zu lernen. Eine 33-jährige Teilnehmerin eines Kurses bei Intrain sagt, sie habe das Selbstlernen anfangs skeptisch gesehen, komme nun aber gut voran. Erklärungen, die sie im Internet finde, seien aber oft schwer verständlich – wegen der vielen englischen Fachbegriffe.

Bei manchen Anbietern wie dem Frauencomputerzentrum Berlin wird selbstständiges Lernen mit kursartigen Inputs kombiniert. Wichtig ist, dass die Computerprogramme mit realen Situationen verknüpft werden. „IT-Kompetenz besteht nicht darin Wissen aufzunehmen, sondern etwas tun zu können“, sagt Henriette Ponsong, Fortbildungskoordinatorin am Frauencomputerzentrum Berlin. Die Kurse für IT-Anfänger sind stark auf Büroabläufe und Arbeitsorganisation ausgerichtet. „Heute braucht jede Köchin Textverarbeitung und Tabellenkalkulation für Einkaufslisten und Speisekarten“, sagt Ponsong. Die Teilnehmerinnen sind zwischen Mitte 20 bis an die 60 Jahre alt. Nur auf das Zertifikat für den Computerführerschein hinzulernen, bringe hingegen wenig, wenn Teilnehmer dann später im Job bei der Arbeit unsicher sind. Das Zertifikat des Computerführerscheins sei besonders interessant für Umschuler und Arbeitssuchende, in deren Lebenslauf noch keine Arbeitserfahrung mit IT vorkommt. Mittlerweile verlangen es manche Unternehmen auch für Azubis. Gerade für Menschen, die schon lange arbeitslos sind, ist das Zertifikat aber auch wegen seiner „impliziten Aussagen“ interessant, meint Ponsong: Daraus lasse sich ablesen, dass ein Bewerber in der Lage ist, bei einem Thema am Ball zu bleiben – und eine gewissen Stressresistenz beweise.

FÜR SELBSTLERNER

Im Trainingszentrum Intrain der Gesellschaft für Personalentwicklung und Bildung mbH (GPB) lernt man individuell. Ein Modul für den Computerführerschein umfasst 40 Stunden. Der Kurs dauert abhängig von den gewählten Modulen vier bis sieben Wochen. Einstieg ist jeden Montag möglich. GPB-Mitte, Beuthstraße 7-8, 10117 Berlin (weiterer Standort in Neukölln) Trainingszeiten: Mo bis Mi 8.15 bis 16 Uhr, Do 8.15 bis 14 Uhr, Fr 8.15 bis 13.15 Uhr (Teilzeit möglich) Infos unter Tel. 030-9339480.

FÜR FRAUEN

Im Frauencomputerzentrum vermittelt ein Kurs für Einsteigerinnen IT-Basiswissen. Anschließend wird mit einer Lernberaterin ein Lernplan für den Computerführerschein entwickelt. Eigenständiges Lernen wird mit Input kombiniert. Der nächste Kurs startet am 10.3. und dauert sechs Wochen.

Frauencomputerzentrum Berlin e.V., Cuvrystr. 1, 10997 Berlin

Trainingszeiten Mo, Mi, Do: 9 bis 16.30 Uhr, Di und Fr 9 -13 Uhr (Teilzeit möglich). Infos unter Tel. 030-6179700.

Eine Übersicht über Module und Lernziele des Computerführerscheins gibt sowie eine Liste der Testzentren finden sich im Internet unter www.ecdl.de/ecdl-module.htmlkal

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