Wirtschaft : Computerhandel: Preispolitik auf dem Prüfstand (Kommentar)

Kurt Sagatz

Das Urteil des Bundesgerichtshofs in der Auseinandersetzung zwischen Microsoft und einem Berliner Computergroßhändler hat das Zeug dazu, die gesamte Preispolitik der Softwarehersteller auf den Kopf zu stellen. Denn wenn die Urteilsbegründung so ausfällt, wie es jetzt die BGH-Mitteilung ausführt, dürfte über kurz oder lang die Doppelstrategie aus billigem Paketverkauf und teurem Einzelverkauf beendet sein. Noch sieht es so aus: Man kauft einen Computer - beispielsweise bei Aldi - und erhält für 2000 Mark ein Gerät, das bereits mit Software ausgestattet ist, für die man sonst fast ebenso viel zahlen müsste wie für die nackte Hardware. Diese Praxis kann jedoch nur so lange gut gehen, wie die Entbündelung und der spätere Einzelverkauf unterbunden wird - und genau dies macht das Urteil möglich. Doch was heißt das in der Konsequenz? Werden die Aldi-Pakete nun teurer, weil die Software-Firmen von der extremen Rabattierung Abstand nehmen? Oder müssen die Preise für die regulären Programmversionen gesenkt werden, weil sie sonst nicht mit den Wiederverkäufen konkurrieren können? Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Entwicklung in beide Richtungen geht.

Für die Kunden von Aldi, Lidl oder Saturn wäre das sicherlich ärgerlich, für die mittelständischen Computerhändler jedoch eine gewichtige Wettbewerbsstärkung gegen die fast übermächtigen Handelsketten mit ihrer Einkaufsmacht. In jedem Fall wird der Preis der Software künftig ein noch wichtigeres Thema sein.

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