Computerspielemesse : Game over für Leipzig

Die Computerspielemesse Games Convention zieht um und wird ab 2009 nicht mehr in Leipzig, sondern in Köln stattfinden.

Aline Klett

BerlinEntscheidend für den Ortswechsel sei, dass es in Köln eine bessere Perspektive für ein dynamisches Wachstum der Messe gebe, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU), Olaf Wolters, am Montag in Berlin. Mit dem Standortwechsel wird sich auch der Name und der Zeitpunkt der Messe ändern: Zukünftig wird die Gamescom im August statt wie bisher im September stattfinden.

Immer wieder wurde darüber spekuliert, dass die Messe auch nach Berlin umziehen könnte. 2005 habe es Gespräche gegeben, sagte Wolters. „Aber Berlin hat sich letztendlich nicht um die Games Convention beworben.“ Im Gegensatz zu anderen Städten: München, Hamburg und Frankfurt waren daran interessiert, die Spielemesse in ihre Stadt zu holen, die als Europas wichtigste Messe der Branche gilt und im Jahr 2007 rund 185 000 Besucher nach Leipzig lockte. „Wir haben uns selbst nicht ins Rennen geworfen“, bestätigte Joachim Hofer, Sprecher der Messe Berlin, dem Tagesspiegel. Im September sei die Messe wegen der Internationalen Funkausstellung bereits „komplett ausgebucht“. An dem angebotenen späteren Termin im Oktober seien die Veranstalter wiederum nicht interessiert gewesen.

Die Entscheidung für Köln fiel im Verband für die Anbieter und Hersteller von Unterhaltungssoftware nicht ganz einhellig. „Wir haben uns auf den kleinsten Nenner geeinigt“, sagte Wolters. Nun hofft er, dass die „Karavane vollständig mit weiterzieht“ und Messeteilnehmer nicht abspringen.

Der Standortwechsel war nötig geworden, weil die Leipziger Messe an ihre Wachstumsgrenze gestoßen sei, begründete er die Entscheidung. Die Besucherzahlen hätten stagniert und auch die Hotels in Leipzig und Umgebung seien komplett ausgebucht gewesen. Die schlechte Anbindung an den internationalen Flugverkehr tat ihr Übriges.

Ziel der Veranstalter ist zukünftig, vor allem Fachbesucher anzulocken und weiterhin europäische Leitmesse in der Branche zu bleiben. „Mit Köln haben wir einen Standort, der unserem europäischen Anspruch gerecht wird“, sagte Wolters. Mit der Verschiebung des Termins vom Ferienmonat August in den September hinein wird die Ausstellung für südeuropäische Firmen attraktiver. Die Messe soll neben den Fachbesuchern auch weiterhin den Verbrauchern offen stehen. Köln ist eine der bevölkerungsreichsten Regionen Europas und die „Kaufkraft in Europa ist nirgends enger auf einem Raum als hier“. Die Veranstalter hoffen fehlende Ferienbesucher durch Tagesbesucher ausgleichen zu können.

Immerhin geht es um einen Markt, auf dem im vergangenen Jahr in Deutschland mehr als eine Milliarde Euro umgesetzt wurden – ein Plus von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Während der Erlös der Computerspiele im vergangenen Jahr leicht rückläufig war, legten die Umsätze mit Spielen für Konsolen (plus 25 Prozent) und mobile Geräte (plus 64 Prozent) deutlich zu. Aline Klett

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