Wirtschaft : Comroad-Gründern drohen Strafen wegen Betrugs

Zweiter großer Prozess gegen ein Unternehmen des Neuen Markts

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München (nad). Zum zweiten Mal müssen sich einstige TopManager von Unternehmen am Neuen Markt wegen Bilanzskandalen vor dem Münchner Landgericht verantworten. Nach dem Beginn des Strafprozesses gegen die Ex-Vorstände von EM.TV vor zwei Wochen sitzen von diesem Donnerstag an auch der Gründer des Telematik-Unternehmens Comroad, Bodo Schnabel, und dessen Frau Ingrid auf der Anklagebank. Schnabel inszenierte sich zwar weniger medienwirksam als Thomas Haffa; seine Unternehmensführung gilt dafür als umso dreister.

Während Thomas und Florian Haffa der Öffentlichkeit haltlose Gewinnversprechen gaben, soll Schnabel fast den gesamten Umsatz seines Unternehmens frei erfunden haben. Seine Frau Ingrid, die im Aufsichtsrat von Comroad saß, soll ihm dabei geholfen haben. In der 59-seitigen Anklageschrift wirft die Staatsanwaltschaft Bodo Schnabel Kursbetrug, Insiderhandel und gewerbsmäßigen Betrug vor. Seine Frau ist wegen Beihilfe angeklagt. Schnabel sitzt seit April in Untersuchungshaft: Damals hatte sich herausgestellt, dass es die Firma VT Electronics Limited aus Hongkong gar nicht gibt. Offiziell hatte Comroad angegeben, Jahr für Jahr Millionenaufträge von VT erhalten zu haben.

Im Jahr 2001 bestellte die Firma angeblich Waren für mehr als 90 Millionen Euro bei Comroad – das war fast der gesamte Jahresumsatz von 93 Millionen Euro. Auch seine Zulassung für den Gang an den Neuen Markt hatte sich Comroad 1999 mit einem falschen Jahresabschluss erschlichen. Die Wirtschaftsprüfer der KPMG segneten die Bilanzen jahrelang ab. Im Zuge einer Sonderprüfung stellten sich dann alle Bilanzen der Jahre 1998 bis 2001 als falsch heraus.

Durch die Bilanzfälschung hat das Ehepaar Schnabel den Kurs der Comroad-Aktie nach Ansicht der Staatsanwaltschaft bewusst in die Höhe getrieben. Auf dem Höhepunkt des Börsenbooms im Jahr 2000 kostete die Aktie mehr als 60 Euro. Durch Verkäufe von eigenen Aktienpaketen haben die Schnabels nach Ansicht der Ankläger ein Vermögen in zweistelliger Millionenhöhe gemacht. Viele Aktionäre haben dagegen eine Menge Geld verloren, weil das Papier zuletzt nur noch ein paar Cent wert war. Inzwischen ist Comroad ganz von der Börse verbannt.

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