Wirtschaft : Condor als Billigflieger – für 99 Euro in die USA

Der defizitäre Touristikkonzern Thomas Cook will seine Charterlinie unter altem Namen wieder profitabel machen

Flora Wisdorff

Berlin – Der angeschlagene Touristikkonzern Thomas Cook will ins Billigfluggeschäft einsteigen, um seine marode Charter-Fluggesellschaft „Thomas Cook Airlines“ unter dem alten Namen „Condor“ wieder profitabel zu machen. Ab sofort gibt es auf der Langstrecke in die USA, nach Asien, die Karibik oder Afrika Tickets ab 99 Euro pro Strecke. Flüge zu Zielen in Europa kosten ab 29 Euro, kündigte Cook-Vorstandsmitglied Ralf Teckentrup am Mittwoch in Frankfurt (Main) an. Die Billigangebote sind auf zehn Prozent der Sitze begrenzt. „Die Marktveränderung erzwingt eine Kurskorrektur“, erklärte Teckentrup.

Mit der neuen Strategie macht Thomas Cook vor allem Air Berlin Konkurrenz, die nach einem ähnlichen Prinzip einerseits im Chartergeschäft für Reiseveranstalter tätig ist und zusätzlich immer mehr Einzelplätze zu Niedrigpreisen anbietet. Die Charterfluggesellschaften stehen unter enormem Druck, weil die Nachfrage nach Pauschalreisen so stark nachgelassen hat. Experten zufolge ist der Markt für Billigflieger in Deutschland jedoch schon gesättigt: Nachdem in den vergangenen Jahren Ryanair, Hapag Lloyd Express und Germanwings gestartet waren, ist im Mai der britische Billigflieger Easyjet auch in den deutschen Markt eingestiegen. Auf langen Strecken gab es solche Angebote jedoch bisher nicht.

Der Thomas Cook Konzern, der je zur Hälfte Karstadt-Quelle und der Lufthansa gehört, steckt zurzeit tief in der Krise. Im vergangenen Jahr machte das Unternehmen einen Verlust von 251 Millionen Euro, 100 Millionen davon hat die Condor verursacht. Die Fluggesellschaft war von dem ehemaligen Chef Stefan Pichler unter hohem Werbeaufwand in „Thomas Cook Airlines“ umbenannt worden – und hatte dann binnen zwei Jahren fast ein Viertel ihrer Passagiere verloren. Stefan Pichler musste Ende 2003 gehen, er wurde durch Teckentrup und Wolfgang Beeser ersetzt. Die beiden wollen nun kräftig sparen, um den Konzern zu sanieren – insgesamt sollen in den kommenden zwei Jahren die Kosten um 240 Millionen Euro gesenkt werden, 80 Millionen Euro sollen allein beim Personal eingespart werden. In Kürze werden die Verhandlungen darüber mit den Gewerkschaften beginnen. Im Schnitt sollen die Beschäftigten 30 Prozent mehr arbeiten und deutliche Einschnitte beim Gehalt hinnehmen.Eine Einigung soll noch im Juni erzielt werden. Scheitern die Gespräche, müsse die Condor verkleinert werden, sagte Teckentrup. Bisher seien die Gespräche jedoch „konstruktiv verlaufen“, beteuert der Vorstand.

Mit den neuen Billigpreisen sollen vor allem ohnehin leer gebliebene Plätze aufgefüllt werden – eine Umwandlung zum Billigflieger sei das nicht, beteuert ein Sprecher. Es soll weiterhin Essen auf allen Flügen geben, genauso wie eine gehobenere Comfort Class. Experten zweifeln daran, ob sich die Billigpreise wirklich rechnen: „Ob mit den niedrigen Preisen wirklich soviel mehr Nachfrage generiert wird, dass damit ein Geschäft gemacht werden kann, bleibt abzuwarten“, sagte Dieter Schneiderbauer, Luftfahrtexperte der Unternehmensberatung Mercer. Das sei ein „riskantes Vorhaben“. Das neue Konzept müsse man jedoch auch als „defensive Strategie“ sehen. Zumindest werde so die Aufmerksamkeit der potenziellen Kunden wieder auf die Condor gelenkt. Ihnen würde klar, dass Charter nicht unbedingt teuer sein muss, sagte Schneiderbauer. Mit Reuters

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