Condor-Übernahme : Kartellamt blockiert Air Berlin

Die geplante Übernahme des Charterfliegers Condor durch Air Berlin droht an einem Veto des Bundeskartellamtes zu scheitern. Die Behörde befürchtet, dass Air Berlin durch den Zusammenschluss mit Condor auf Mittelmeerstrecken eine marktbeherrschenden Stellung erreicht. Bis Montag muss sich die Fluggesellschaft gegenüber dem Kartellamt äußern.

Juliane Schäuble

Berlin - Wie Kartellamtssprecherin Silke Kaul am Dienstag bestätigte, haben die Wettbewerbshüter dem Unternehmen eine Frist bis zum kommenden Montag gesetzt. Könne die Fluggesellschaft bis dahin nicht schlüssig erklären, wie sie die Bedenken ausräumen wolle, werde als nächster Schritt eine Abmahnung verschickt, zu der Air Berlin dann noch einmal Stellung nehmen könne. Eine Abmahnung gilt jedoch als starkes Indiz dafür, dass die Übernahme am Ende untersagt wird.

Damit steht die Strategie von Air-Berlin-Chef Joachim Hunold, durch Zukäufe dem Marktführer Lufthansa dauerhaft Konkurrenz auch auf der Langstrecke zu machen, möglicherweise endgültig vor dem Aus. Nach dem Kauf des Billigfliegers dba im August 2006 hat Air Berlin erst im vergangenen Jahr die Düsseldorfer LTU übernommen; bis 2010 sollte die Condor zur Air-Berlin-Gruppe dazustoßen. Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft wollte die 75,1 Prozent der Condor-Anteile, die dem Reiseveranstalter Thomas Cook gehören, im Februar 2009 für eine halbe Milliarden Euro in Aktien und bar erwerben. Im Gegenzug sollte Thomas Cook 30 Prozent der Air-Berlin-Aktien erhalten. Die restlichen 24,9 Prozent der Condor-Anteile, die im Besitz der Lufthansa sind, wollte Air Berlin ein Jahr später übernehmen.

Doch schon bei der Anmeldung der Kaufpläne Anfang Oktober 2007 hatten die Wettbewerbshüter Bedenken angemeldet. Bereits bei der Prüfung des LTU- Kaufs hatte sich das Kartellamt viel Zeit gelassen und den Zusammenschluss schließlich mit den Hinweis auf den starken Wettbewerber Condor genehmigt. Inzwischen wurde die Prüffrist mehrfach verlängert, zuletzt bis zum 9. Oktober. Im März teilte die Bonner Behörde Air Berlin mit, das Vorhaben aufgrund der befürchteten Wettbewerbseinschränkungen abmahnen zu wollen.

Der Argumentation der Fluggesellschaft, diese Nachteile auf den Mittelmeerstrecken durch Vorteile auf der Langstrecke zu kompensieren, sei man dann aber zunächst gefolgt und habe auf weitere Erklärungen gewartet, berichtet Kartellamtssprecherin Kaul. Doch nun habe dies durch die Ankündigung Air Berlins, die Langstrecke angesichts der rasant steigenden Treibstoffkosten komplett auf den Prüfstand zu stellen, an Bedeutung verloren. „Wir wissen jetzt gar nicht mehr, was wir genau prüfen sollen“, wundert sich Kaul.

Falls Air Berlin nun am Montag keine neuen Argumente vorbringt oder die Übernahme nicht von sich aus absagt, wird es abgemahnt. Sechs Wochen hat das Unternehmen dann Zeit, Stellung zu nehmen – danach folgt entweder ein Verbot des Condor-Kaufs oder eine Genehmigung unter Auflagen. Die Chancen für letzteres stehen aber schlecht.

Air Berlin kündigte an, die Frist einzuhalten. „Wir werden uns bis zum 14. äußern“, sagte Sprecher Nikolaus Nowak. Auch sei man weiter in Gesprächen mit Thomas Cook über die Zukunft der Condor. Diese verliefen „ergebnisoffen“. Thomas Cook lehnte eine Stellungnahme ab.

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