Wirtschaft : Consumer Electronics: Chiphändler will hoch hinaus

Der Münchner Chiphändler CE Consumer Electronic hat aufgrund einer Großakquisition in den Vereinigten Staaten und angesichts des anhaltenden Booms im internationalen Halbleitergeschäft seine Prognosen für das laufende Jahr deutlich nach oben gesetzt. "Wir haben derzeit eine unwahrscheinliche Dynamik", sagte Konzernchef Erich Lejeune am Mittwochabend in München. Ein Ende der anziehenden Chip-Konjunktur sei in den nächsten drei bis vier Jahren entgegen allen Unkenrufen nicht abzusehen. Consumer Electronic will nach Darstellung von Lejeune zudem bis spätestens 2004 die Weltmarktführerschaft unter den Chip-Brokern übernehmen. Derzeit sieht er den Konzern weltweit auf Rang drei.

Der Umsatz wird nach Angaben des Konzernchefs im laufenden Geschäftsjahr 2000 von 72,8 Millionen Mark auf mindestens 450 Millionen Mark oder 230 Millionen Euro steigen. Bisher erwartete der Vorstand Umsatzerlöse in Höhe von 300 Millionen Mark. Der Jahresüberschuss soll von 4,2 Millionen auf 11,5 Millionen Mark klettern. Die neuen Prognosen seien konservativ berechnet, betonte Lejeune. Im Jahr 2001 will das am Neuen Markt notierte Unternehmen die Erlöse dann auf rund eine Milliarde Mark mehr als verdoppeln. Das Ergebnis soll überproportional zulegen. In den kommenden Monaten will das Chip-Handelsunternehmen in Europa 100 neue Mitarbeiter einstellen.

Die Consumer Electronic AG, München, hatte Anfang August die Übernahme des größeren US-Brokers SND angekündigt. Der US-Konzern rechnet in diesem Jahr mit rund 550 Millionen Mark Umsatz. Laut Lejeune zahlte die Münchner Gruppe für SND einen Kaufpreis von 25 Cent je Umsatzdollar. Mit dem Zukauf sei Consumer Elecronics jetzt der volle Einstieg in den lukrativen US-Markt gelungen. SND sei zudem als Distributor gut in Südamerika positioniert.

Der Chipmarkt weise derzeit jährlich Wachstumsraten von zehn bis 20 Prozent auf und werde laut Prognosen bis 2005 sein heutiges Volumen von 200 bis 220 Milliarden Dollar verdoppeln, sagte der neue Konzern-Vizevorstand Horst Bülck. Wegen der höheren Nachfrage in den Bereichen Telekommunikation und Autoelektronik sei das Geschäft nicht mehr so zyklisch wie einst. Der frühere Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein wechselte vor einigen Monaten zu dem Münchner Unternehmen. Er kümmert sich um die Bereiche Beteiligungsmanagement und Finanzstrategien. Lejeune kündigte zudem an, dass seine Frau Irene Lejeune voraussichtlich vom Vorstand in den Aufsichtsrat wechseln werde. Der Zeitpunkt stehe noch nicht fest. Neuer Finanzvorstand soll dann Brigitte Nimnate werden, die vom Tabakkonzern BAT zu Consumer Electronics wechselte.

Große Hoffnungen setzt Lejeune auf den Handel im Internet. Die Internet-Chipbörse des Unternehmens - mit der Bezeichnung VCE (Virtual Chip Exchange) - soll im laufenden Geschäftsjahr bereits Erlöse in dreistelliger Millionenhöhe erzielen und schwarze Zahlen schreiben. VCE könnte innerhalb der kommenden zwölf Monate an die US-Börse Nasdaq gebracht werden, sagte Lejeune. Der Konzern plant zahlreiche weitere Handelsplattformen unter anderem in den Bereichen Lizenzhandel, Unterhaltung und Logistik.

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