Wirtschaft : Conti plant neue Übernahmen

Reifenhersteller hat Goodyear-Sparte im Blick

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Hannover - Der Autozulieferer Continental will sich mit weiteren Übernahmen massiv verstärken und hat dabei auch eine Sparte des US-Reifenkonzerns Goodyear im Visier. Vorstandschef Manfred Wennemer sagte am Freitag auf der Hauptversammlung in Hannover, beim Thema Zukäufe sei „ganz gewiss nicht das Ende der Fahnenstange“ erreicht.

Conti hat laut Wennemer grundsätzlich Interesse an einem Kauf des Schlauchspezialisten Goodyear Engineered Products. Das Unternehmen wäre eine „wunderbare Ergänzung“ des Conti-Konzernbereichs Contitech. Goodyear Engineered Products sei stark in den USA, Contitech in Europa. Conti habe aber noch nicht entschieden, ein Angebot abzugeben. Goodyear Engineered Products produziert neben Schläuchen auch Luftfedern. Goodyear hatte angekündigt, die Sparte verkaufen zu wollen.

Anfang April hatte Conti den Kauf der Autoelektroniksparte von Motorola für rund 830 Millionen Euro bekannt gegeben. Damit steigt Conti in den Bereich Telematik ein. Ende Februar hatte Wennemer gesagt, für Zukäufe stünden bis zu vier Milliarden Euro zur Verfügung.

Für den Ende 2004 übernommenen Zulieferer Phoenix hatte Conti eine halbe Milliarde Euro bezahlt. Mit Phoenix wurde der Bereich Contitech gestärkt. Einen möglichen Börsengang der Sparte bezeichnete Wennemer als „interessante Option für den Bedarfsfall“. Aktuelle Pläne gebe es aber nicht. Auch eine Kapitalerhöhung sei möglich. Der Vorstandschef bekräftigte, Conti erwarte 2006 erneut Bestmarken bei Umsatz und Gewinn. Dabei müsse der Konzern aber die „dramatischen“ Veränderungen der Rohstoffpreise im Auge behalten. Preiserhöhungen seien nicht ausgeschlossen.

Er sagte zudem, der Konzern setze weiter auf Niedrigkosten. Continental werde aber nicht „verlagern um des Verlagerns willen“. Zugleich verteidigte Wennemer die umstrittene Schließung der Pkw-Reifenproduktion mit 300 Beschäftigten am Stammsitz Hannover sowie Teil-Werksschließungen und Arbeitsplatzabbau in den USA. Diese „harten und schmerzvollen Entscheidungen“ seien notwendig.

Das defizitäre US-Reifengeschäft ist das größte Sorgenkind. Wennemer sprach zwar von einer „zunehmend positiven Wirkung“ der Sanierung des US-Geschäfts. Wann dort wieder schwarze Zahlen geschrieben werden, ließ er offen. Conti hätte in den USA früher und schneller restrukturieren müssen. Die Gefahr eines Rückzugs vom US-Reifenmarkt sei aber derzeit „praktisch nicht vorhanden“.

Scharfe Kritik am Continental-Management äußerte ein Vertreter der US-Metallarbeitergewerkschaft. Notwendige Investitionen in die Werke seien ausgeblieben, ebenso wie die Entwicklung neuer Produkte für den nordamerikanischen Markt. Für Managementfehler müssten nun die Beschäftigten büßen. dpa

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