CONTI/SCHAEFFLER : Raus aus der Provinz

Die Firma erwirtschaftet Milliardenumsätze, die Eigentümerin stand 2007 auf der Liste der reichsten Deutschen an 22. Stelle. In ihrer zweiten Heimat Österreich kam sie sogar auf den dritten Platz. Und doch war der fränkische Hersteller Schaeffler lange kaum jemandem ein Begriff und die Firmenpatriarchin Maria-Elisabeth Schaeffler eine Unbekannte. Das mag daran liegen, dass es faszinierendere Produkte gibt als Wälzlager. Doch vor allem sah Schaeffler sich lange als klassisches deutsches Familienunternehmen – erfolgreich, bescheiden und solide.

2009 aber steht Schaeffler plötzlich in der Öffentlichkeit, und alle diskutieren mit – über eine drohende Pleite, über die Rettung von 28 000 Jobs und über eine möglicherweise maßlose Milliardärin. Die ist zu allem bereit, um das Familienunternehmen zu retten. Vor demonstrierenden Mitarbeitern tritt sie im schlichten Hosenanzug auf und zeigt sich vom Beifall zu Tränen gerührt. Tage später erscheint sie zu Gesprächen in der IG Metall-Zentrale mit einem roten Schal. In Interviews beteuert sie ihre Bescheidenheit, wird jedoch dann wieder mit Champagnerglas und im Nerz fotografiert.

Im Jahr zuvor hatte Schaeffler das Unternehmen aus der Provinz zum Global Player machen wollen. „Operation Mozart“ nannte die Opernliebhaberin ihren Plan, den dreimal größeren Dax-Konzern Continental zu übernehmen. Ihr wurde zum Verhängnis, dass sie in der Finanzkrise mit Conti-Aktien einen Riesenverlust machte.

Heute macht die Firmengruppe gute Geschäfte, wegen der missratenen Übernahme ist sie jedoch heillos überschuldet. Noch halten die Gläubigerbanken still und Maria-Elisabeth Schaeffler darf hoffen, einen Teil des Schaeffler-Conti-Konzerns zu behalten.mco

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