Wirtschaft : Conti setzt auf ITT-Bremsen

FRANKFURT (MAIN) (gja/HB).Die Übernahme des Produktbereichs Bremsen und Chassis der ITT Industries Inc.durch den Reifenhersteller Continental AG ist perfekt: Der Verkaufsvorgang sei am Freitag mit Wirkung zum Montag abgeschlossen worden, teilte Continental mit.Die neue Tochter firmiere als Continental Teves AG & Co.oHG, Frankfurt (Main), und sei das Herzstück des Konzernbereichs Automotive Systems.

Mit der Firmierung wird zugleich der traditionsreiche Name des Bremsenspezialisten Teves, der Kern der ITT-Sparte war, wieder in den Vordergrund gerückt."Wir wollten dem Haus Teves die Identität wiedergeben", sagte Hans Albert Beller, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Continental Teves und zugleich im Konzernvorstand für Automotive Systems verantwortlich.Der bisherige Chef der ITT Automotive Europe, Thomas Geißinger, dem auch ein Angebot von Continental vorgelegen habe, verlasse das Haus "auf eigenen Wunsch", hieß es weiter.

Der Reifenhersteller hatte im Sommer gegen Konkurrenten aus den USA den Zuschlag für die ITT-Sparte bekommen und muß dafür umgerechnet rund 3,5 Mrd.DM bezahlen.Continental Teves ist mit einem für 1998 erwarteten, gegenüber 1997 stagnierenden Umsatz von 3,8 Mrd.DM, 16 Werken und 10 800 Mitarbeitern nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei Scheibenbremsen und die Nummer zwei bei ABS-Systemen.

Für den Continental-Konzern bedeutet die Akquisition einen Umsatzssprung auf künftig 16 Mrd.DM, vor allem aber den Ausbruch aus dem Stammgeschäft und den Einstieg in eine Zukunft als Systemlieferant im Fahrwerksbereich.Beller kündigte an, Conti werde "mit aller Macht" versuchen, das Geschäft der neuen Tochter auszubauen.Ergänzungsbedarf sieht er noch in den Bereichen Dämpfung und Lenkung.Letzterer solle über "sinnvolle Kooperationen" abgedeckt werden.

Keine Details nannte Beller bezüglich der erwarteten Synergien aus der Teves-Akquisition, deutete aber Einsparpotential im Verwaltungsbereich an.Der Entwicklungsbereich soll dagegen ausgebaut werden.In der Verwaltung arbeiten 800 Beschäftigte, in der Entwicklung 900 Menschen.Bedeckt hielt er sich auch zur konkreten Ausgestaltung der Finanzierung, die zu 60 Prozent mit Fremdmitteln (Anleihen und Kredite) und zu jeweils 20 Prozent mit einer Kapitalerhöhung und vorhandener Liquidität bestritten werden soll.Einzelheiten kündigte er für November an.

Der neuen Konzerntochter attestierte Beller einen Nachholbedarf in Sachen Ertragskraft.1998 erwartet das Unternehmen einen leichten Ergebnisrückgang und kommt beim Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) auf eine Marge von 12,7 Prozent vom Umsatz.Gemessen am operativen Ergebnis (EBIT) stehe eine Vier vor dem Komma, so Beller.Im nächsten Jahr sei eine Fünf geplant - immer noch zu wenig, um den Konzernschnitt von 8 Prozent zu erreichen, was aber mittelfristig gelingen soll.

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