• Conti verlagert Fertigung von Reifen ins Ausland 320 Stellen weg / Gewerkschaft beklagt „Wortbruch“

Wirtschaft : Conti verlagert Fertigung von Reifen ins Ausland 320 Stellen weg / Gewerkschaft beklagt „Wortbruch“

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Frankfurt am Main / Berlin – Der Autozulieferer Continental stellt die Reifenproduktion in seinem Stammwerk in Hannover-Stöcken Ende 2006 ein, 320 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz. Die Gewerkschaften IG BCE und IG Metall kündigten umfangreiche Protestaktionen an. Die IG BCE hatte erst vor wenigen Monaten eine Arbeitszeitverlängerung ohne Lohnausgleich für die betroffene Belegschaft vereinbart, um einen Stellenabbau zu verhindern. Die Gewerkschaft warf Conti vor, dieses Abkommen zur Arbeitsplatzsicherung nun ohne Not aufzugeben. Der Vorsitzende IG BCE, Hubertus Schmoldt, kündigte scharfe Proteste an und kritisierte Conti-Vorstandschef Manfred Wennemer wegen der Entscheidung scharf. „Wennemer will offensichtlich seinen Ruf als Dividenden-Erhöher verteidigen“, sagte Schmoldt. Man müsse die Frage stellen, warum die Beschäftigten „Opfer“ gebracht hätten, wenn Wennemer wenig später das „Fallbeil“ fallen lasse, klagte Schmoldt. Angesichts von Rekordbilanzen stelle sich die Frage nach der sozialen Verantwortung von Continental.

Der niedersächsische IG-Metall-Chef Hartmut Meine sprach von „Wortbruch“. Wer trotz schwarzer Zahlen Arbeitsplätze streiche, „handelt gegenüber den Beschäftigten und ihren Familien verantwortungs- und rücksichtslos“, sagte Meine. Conti begründete den Schritt damit, dass das Wachstum in der Reifensparte geringer ausgefallen sei als erwartet. Die Produktion in Hannover sei die kleinste und teuerste. Auch an weiteren Standorten sollen die Schichten „kostenoptimiert“ angepasst werden, betonte Conti-Chef Manfred Wennemer. Analysten sprachen von einem „konsequenten Schritt“. Der Conti- Chef mache klar, dass er bei seiner kostenorientierten Unternehmensführung keine Abstriche mache, sagte Patrick Juchemich vom Bankhaus Sal. Oppenheim.

Conti kündigte an, mit der Stilllegung des Werks sei die Betriebsvereinbarung für diesen Teil der Produktion aufgehoben. Bei deren Abschluss im Mai 2005 habe die Geschäftsleitung eine deutlich positivere Marktentwicklung erwartet, als sie schließlich eingetreten sei. Wennemer stellte die Schließung in Zusammenhang mit der Strategie von Conti, teure Produktion an Niedriglohnstandorte im Ausland zu verlagern. „Lohnintensive Fertigung hier zu halten ist praktisch unmöglich“, hatte der Conti-Chef bereits im Juli gesagt. hz/HB/alf

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