Wirtschaft : Continental rutscht in die roten Zahlen

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Die Continental AG, Hannover, steht vor einer harten Sanierung. Der neue Vorstandsvorsitzende Manfred Wennemer schloss am Dienstag auch Entlassungen und Werksschließungen nicht aus. Als erste Schritte nannte er einen Einstellungsstopp und Investitionskürzungen. Der Zulieferkonzern wird seine Gewinnziele in diesem Jahr nicht mehr erreichen und rechnet für das kommende Jahr mit einer schwachen Autokonjunktur vor allem in den USA.

Im dritten Quartal hat Continental unter dem Strich keinen Gewinn mehr gemacht. Das für die ersten neun Monate ausgewiesene Nettoergebnis von 44 Millionen Euro hatte der Konzern bereits zur Jahresmitte erreicht, es liegt um 70 Prozent unter dem Wert vom September 2000. Trotz eines um elf Prozent gestiegenen Umsatzes lag das operative Ergebnis um ein Drittel unter dem Wert des Vorjahres, so dass Finanzvorstand Klaus Friedland für das Gesamtjahr mit einem "deutlich abgeschwächten" Ergebnis rechnet. Die Aktie reagierte entsprechend: Der Kurs fiel um mehr als sechs Prozent.

Während sich das Geschäft mit Pkw-Reifen erfreulich entwickelt, bereiten die Nutzfahrzeugreifen und die US-Tochter massive Probleme. Die noch junge Sparte der Systemzulieferung wächst, der Gewinn leidet allerdings unter den US-Problemen und Anlaufkosten eines Joint-Ventures in Japan. "Alles steht auf dem Prüfstand", sagte Wennemer, der erst vor wenigen Wochen Stephan Kessel abgelöst hat. Die Entscheidungen würden in den kommenden Wochen fallen. Für das vierte Quartal rechnet er deshalb nicht mit Besserung, im Gegenteil: Die Sanierung werde zunächst mit Aufwand verbunden sein. Besonders schwierig sei die Lage in Mexiko, wo auch eine Werksschließung zur Debatte steht.

Die Tochter Conti-Tech, die nicht zu einem akzeptablen Preis verkauft werden konnte, wird im Konzern bleiben, allerdings ohne Bestandsgarantie. Nur rund der Hälfte ihrer acht Geschäftsbereiche traut Wennemer zu, die geforderte Spitzenposition im Weltmarkt zu erreichen. Bereits bei seinem Amtsantritt hatte er einen verhalteneren Umbau des Reifenherstellers zum Systemzulieferer angekündigt. Während Kessel den Konzern strikt auf die Kernkompetenz Fahrwerkstechnik ausrichten wollte, blickt Wennemer vorerst allein auf den Profit der Geschäftsbereiche. Im Mittelpunkt stünde jetzt der Abbau des Schuldenberges.

Kritik an dem Kurswechsel bei Conti nach seiner Berufung zum Konzernchef vor wenigen Wochen wies Wennemer zurück. "Was soll daran schlecht sein, wenn wir uns auch wieder stärker auf die so genannte alte Continental besinnen?" Die Spezialisierung auf Systemkomponenten für das elektronische Fahrwerk über den Reifen hinaus sei richtig und werde auch weiterverfolgt. "Doch muss sich deshalb der Konzern ausschließlich auf die Automobilindustrie ausrichten?", fragte Wennemer. "Bisher machen wir 57 Prozent unseres Geschäftes mit der Autoindustrie, den Rest in anderen Bereichen." Dieses sei ein durchaus gutes Verhältnis. "Die profitablen Bereiche der Conti-Tech geben der Conti gerade in der jetztigen Situation, in der die Autokonjunktur uns etwas zu verlassen droht, eine gewisse Stabilität."

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