Wirtschaft : Continental setzt langfristig auf Berlin In neun Stunden von Tegel nach New York

Flora Wisdorff

Berlin - Die amerikanische Fluggesellschaft Continental meint es ernst mit Berlin. „Wir wollen die deutsche Hauptstadt von New York aus langfristig anfliegen“, versichert Jim Compton, Vize-Marketing-Präsident der Fluglinie am Mittwoch in Berlin. Continental nimmt am 1. Juli ihren direkten transatlantischen Flugservice auf – Konkurrent Delta startet auf der gleichen Strecke bereits im Mai.

Nachdem die Lufthansa ihren Direktflug von Berlin nach Washington im Jahr 2001 eingestellt hatte, war die Strecke jahrelang als kaum rentabel eingeschätzt worden, die Stadt machte sich kaum noch Hoffnungen auf die Wiederaufnahme der Direktflüge. Compton aber ist sich sicher, dass es dieses Mal klappen wird. „Wir machen vieles anders als unsere Vorgänger“, sagt Compton. Seine Fluggesellschaft benutze kleineres Fluggerät – die Boeing 757 soll zwischen Berlin und New York fliegen. Sie hat 16 Plätze für die Business-Kunden und 150 in der Economy-Klasse. „Man muss die Kapazitäten der Nachfrage anpassen“. Hier sieht sich Continental auch im Vorteil gegenüber dem Konkurrenten Delta, der mit einer Boeing 767 fliegen will, mit insgesamt 204 Sitzen, davon 36 in der Business-Klasse.

Ausschlaggebend sei auch, dass Continental, anders als damals die Lufthansa, ein großes Drehkreuz am Flughafen Newark in New York besitze. Von dort aus könne man allein über 140 weitere Ziele in den USA anfliegen. „Berlin anzusteuern, ist Teil unserer internationalen Strategie, die wir seit zehn Jahren verfolgen“, sagt Compton. Die Fluglinie hat eine Million Dollar in einen neuen internationalen Terminal in Newark investiert.

Im amerikanischen Markt läuft es nämlich nicht mehr so gut für Continental, der Wettbewerb und der Preisdruck sind sehr hoch. Erst kürzlich meldete das Unternehmen im ersten Quartal dieses Jahres einen Verlust von 184 Millionen Dollar. „Der Ölpreis und der Preisdruck machen uns zu schaffen“, sagt Compton. „Aber unser internationales Geschäft läuft sehr gut“.

Bisher fliege Continental 19 Ziele in Europa direkt an, darunter auch Amsterdam, Hamburg oder Bristol, alle mit der 757. Dass Berlin gerade in diesem Jahr dazukomme, sei das Ergebnis einer „tiefgehenden Analyse“ gewesen, sagt Compton. Berlin anzufliegen, sei keinesfalls die Folge einer kurzfristigen Verschiebung der Kapazitäten wegen des schlechten Geschäfts in den USA. „Vielleicht haben wir ein paar Städte schneller ins Programm genommen als geplant, aber Berlin ist auf jeden Fall Teil unserer langfristigen Strategie, international zu wachsen“, sagt Compton. Auf jeden Fall rechnen die Amerikaner damit, von Anfang an Geld mit der Verbindung zu verdienen, trotz der wenigen Business-Class-Sitze. Fluggesellschaften verdienen ihr Geld nämlich vor allem mit diesen teuren Tickets. Dass dieses Geschäft in Berlin nicht so richtig in Gang kam, war auch der Grund, warum die Lufthansa ihre Verbindung einstellte. Continental setzt zunächst auf die Touristen. „Jetzt am Anfang rechnen wir vor allem mit Amerikanern, die nach Berlin kommen, aber das wird sich dann später ausgleichen“.

Langfristig hat aber auch Continental die Geschäftskunden im Visier. „Wir wollen diesen Markt langfristig aufbauen“, sagt Compton, „wir sind ja jetzt hier vor Ort, um die Beziehungen zu den Geschäftsleuten zu knüpfen. Wenn die Wirtschaft hier wieder in Gang kommt, sind wir dann da, um mitzuwachsen“. Es sei gar kein Problem, die Kapazitäten mit größeren Maschinen oder neuen Frequenzen zu erhöhen, sagte Compton.

Continental will ab dem 1. Juli täglich um 10 Uhr 15 in Berlin abfliegen und neun Stunden später um 13 Uhr 25 in New York landen. Auf dem Rückweg startet das Flugzeug um 18 Uhr 45 in New York und kommt nach acht Stunden Flug am nächsten Morgen um 8 Uhr 45 in Berlin an. Die Preise für die Economy-Tickets sollen zwischen 400 und 500 Euro liegen. Ein weiterer Direktflug von Berlin aus zu einem anderen Ziel in die USA sei nicht geplant, sagte Compton.

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