Continental-Übernahme : Zwei Wochen Zeit für Schaeffler

Der Familienkonzern will ein Rettungskonzept vorlegen und führt Kurzarbeit ein.

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In Schwierigkeiten: Die Schaeffler-Gruppe -Foto: dpa

Berlin - Die durch die Continental-Übernahme in Bedrängnis geratene Schaeffler-Gruppe steht im Ringen um Staatshilfe unter Zugzwang. Bereits in etwa zwei Wochen soll das nächste Krisentreffen zwischen Bund, Ländern und den Konzernchefs stattfinden. Das erfuhr das „Handelsblatt“ aus Regierungskreisen. Schaeffler muss damit schneller als gedacht seine Karten auf den Tisch legen.

Der Eigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler bleibt nach einem ersten Spitzengespräch mit Vertretern der Bundesregierung und der Länder Bayern und Niedersachsen in der vergangenen Woche nicht viel Zeit, um nachzubessern. Schaeffler werde in den kommenden Wochen „ein tragfähiges Konzept vorlegen, das die Steuerzahler letztlich nicht belasten wird“, kündigte ein Sprecher an. Bisher habe der Bund dem hochverschuldeten Unternehmen keinerlei Zusagen über Staatshilfen wie Bürgschaften oder Kreditgarantien gemacht, heißt es. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nahm am Wochenende Schaeffler in die Pflicht. Es könne nicht sein, dass die Steuerzahler riskante Unternehmensentscheidungen finanzierten, die Besitzer des Unternehmens aber nicht zur Verantwortung gezogen würden. Schaeffler bittet laut Branchenkreisen um Bürgschaften von bis zu vier Milliarden Euro.

In der Bundesregierung geht man Kreisen zufolge davon aus, dass eine Lösung gefunden werden könne. Grundsätzlich teile man die Auffassung, dass ein Zusammengehen der Konzerne volkswirtschaftlich sinnvoll sei, weil Standorte und Arbeitsplätze erhalten bleiben könnten. Doch es gilt als fraglich, ob der Zusammenschluss in der geplanten Form stattfinden wird. Hinter den Kulissen würden auch Gespräche über einen möglichen Investor geführt. So habe die Regierung vorgefühlt, ob arabische Staatsfonds Interesse hätten. Der künftige Aufsichtsratschef Rolf Koerber hatte einen externen Investor für die gemeinsame Autosparte ins Spiel gebracht. Experten sehen die Diskussion als Indiz dafür, wie angespannt die finanzielle Situation nach der im Januar vollzogenen Übernahme sein dürfte. Schaeffler hatte 49,9 Prozent der Aktien des Konkurrenten erworben und weitere 40 Prozent an Banken weitergereicht. Insgesamt drücken Schaeffler/Conti 22 Milliarden Euro Schulden.

Unterdessen hat Schaeffler angekündigt, in wenigen Tagen an der überwiegenden Zahl der Standorte Kurzarbeit einzuführen. Über Umfang, Dauer und die betroffenen Standorte sollen die Mitarbeiter am Dienstag informiert werden. Schaeffler hat in Deutschland 31 000 Mitarbeiter an rund 25 Standorten. HB/dpa

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