Wirtschaft : Continental: US-Fluggesellschaft streicht 12 000 Stellen

Die fünftgrößte US-Fluggesellschaft Continental Airlines will ihr Flugangebot nach den jüngsten Terror-Anschlägen langfristig um 20 Prozent kürzen und 12 000 Beschäftigte entlassen, um einen möglichen Konkursantrag zu vermeiden. Das sind 21,4 Prozent der 56 000 Continental-Mitarbeiter. "Dies müssen wir tun, um am Leben zu bleiben", erklärte Continental-Chef Gordon Bethune. Er rechnet damit, dass sich andere Fluggesellschaften dem Schritt anschließen werden. Dies könnte zur Entlassung von bis zu 100 000 Mitarbeitern in der Branche führen. United Airlines und die Northwest Airlines kündigten am Wochenende ebenfalls an, dass sie ihre Flugkapazitäten um 20 Prozent reduzieren wollen. Die zweit- und die viertgrößte US-Fluggesellschaft ließen aber noch offen, wie viele Stellen sie streichen wollen. US-Präsident George W. Bush sei über die Lage der Fluggesellschaften besorgt, erklärte Regierungssprecher Ari Fleischer. Transportminister Norman Mineta wollte sich möglicherweise am Montag mit Airline-Managern treffen.

Die Continental begründete die Massenentlassungen mit den Auswirkungen der Terroristen-Attacken auf den Flugreiseverkehr, den Kosten "der dramatisch verstärkten Sicherheitsauflagen", dem enormen Buchungsrückgang der letzten Tagen und der schwachen Konjunktur. "Die US-Luftfahrtbranche befindet sich in einer beispiellosen Finanzkrise", erklärte Bethune. Er forderte Soforthilfen Washingtons. Auch United-Chef Jim Goodwin verlangte vom Weißen Haus und dem Kongress Hilfe, um die Luftfahrtbranche lebensfähig zu halten.

Die zehn größten amerikanischen Airlines haben durch das dreitägige Flugverbot nach dem Anschlag mehr als eine Milliarde Dollar verloren und legen jetzt täglich 100 Millionen Dollar drauf, berichtete die US-Wirtschaftsnachrichtenagentur."Bloomberg". Die Airlines benötigten laut Bethune mindestens 12,5 Milliarden Dollar Hilfen. Analysten rechnen für dieses Jahr mit Verlusten von mehr als 4,8 Milliarden Dollar (10,2 Milliarden Mark). Im Repräsentantenhaus wurde ein Gesetzentwurf eingebracht, der bis zu 15 Milliarden Dollar Unterstützung vorsieht. Ein Versuch, darüber schon am Sonnabend abzustimmen, schlug aber fehl.

Die US-Fluggesellschaften hatten ihre Flüge am Freitag nach dreitägigem Flugverbot eingeschränkt wieder aufgenommen. Continental hatte Sonnabend 55 Prozent ihrer Flüge angeboten. Der Branchenführer American Airlines wollte am Sonntag 65 Prozent seiner regulären Flüge einsetzen und dann nach und nach auf 80 Prozent erhöhen. Die Flugunterbrechungen haben die Airlines in aller Welt bis zu zehn Milliarden Dollar Umsatz gekostet, errechnete die Airline-Organisation International Air Transport Association in Genf. Die US-Regionalfluggesellschaft Midway Airlines hat ihren Flugbetrieb ganz eingestellt und 1700 Mitarbeiter entlassen.

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