Wirtschaft : Coolness und Langeweile

Henrik Mortsiefer

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Dass Google und die Postbank einmal im gleichen Atemzug genannt werden würden, hätte sich vor ein paar Wochen noch niemand vorgestellt. Als die kalifornische Kultfirma allerdings am Mittwoch die Preisspanne für ihre Aktien senkte und der Börsenstart verschoben wurde, fielen die Parallelen plötzlich allen auf: Ob es die Papiere der deutschen Posttochter sind oder die der bekanntesten Suchmaschine des Internets – ohne Rabatt will in diesen flauen Börsenzeiten keiner mehr Aktien kaufen.

Im Fall von Google ist diese Erkenntnis bitter, denn das Unternehmen wollte alles anders machen und die Märkte aus der Lethargie reißen. Die pseudodemokratische Auktion, mit der die Googleaktien unters amerikanische Volk gebracht wurden, hebelte die Macht der Investmentbanken aus. Die hohen Preisvorstellungen der Turnschuhträger von der Westküste ließen sich lange mit der globalen Bekanntheit und dem rasenden Erfolg des Internetkonzerns rechtfertigen. New Economy – das klang bei Google plötzlich wieder gut. Weil Google alles hat, was die New Economy der Spekulationsjahre 1999-2001 nur versprach: Coolness, Cash und eine Vision.

Doch den klammen Investoren, die erlebt haben, wie Internetaktien in diesem Jahr bereits 13 Prozent verloren, hat auch das nicht gereicht. Wohl auch, weil die Vision bei Google nicht allzu weit reicht. Was mit den Milliarden geschehen soll, die das Unternehmen an der Börse einspielen will, bleibt ein Geheimnis, das selbst der chaotisch-poetische Börsenprospekt nicht lüftet. Da sind die Pläne der Wettbewerber Yahoo oder Microsoft transparenter – und faszinierender. Hier tickt die Börse wieder menschlich: Die Verfolger sind immer spannender als der mit großem Vorsprung Führende.

Die Ernüchterung hat etwas Beruhigendes. Denn sie zeigt, dass sich die Börsengeschichte nicht wiederholt. Google hat keine Spekulationsblase erzeugt, die Anleger haben die Aktie nicht in astronomische Höhe gesteigert. Die Google-Story ist langweiliger geworden. Aber wer wollte nach den Erfahrungen des Dot.Com-Crashs etwas anderes hören?

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