Corporate Governance : Chefaufseher Cromme warnt vor Strafen

Der neue Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme hat die deutschen Unternehmen zu einem schärferen Vorgehen gegen illegale Praktiken aufgerufen.

Stefan Kaiser
Gerhard Cromme
Gerhard Cromme, der Vorsitzende der Regierungskommission zur guten Unternehmensführung. -Foto: ddp

BerlinDer neue Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme hat die deutschen Unternehmen zu einem schärferen Vorgehen gegen illegale Praktiken aufgerufen. „Ein Verstoß gegen geltendes Recht, insbesondere in Bereichen wie Korruption, Kartell- oder Insiderrecht ist kein Kavaliersdelikt“, sagte Cromme am Freitag in Berlin bei der Konferenz der Regierungskommission für gute Unternehmensführung (Corporate Governance), der Cromme vorsitzt. Die Bußen und Strafen, die den Firmen drohten, seien erheblich und stünden in keinem Verhältnis zu einem etwaigen Geschäftsvorteil, mahnte Cromme, der im April zum Chefaufseher beim skandalgeschüttelten Siemens-Konzern berufen worden war. Am Donnerstagabend hatte Cromme demonstrativ den neuen Siemenschef Peter Löscher zur Eröffnung der Konferenz mitgebracht. Löscher war von Cromme ausgesucht worden und soll Siemens nach mehreren Skandalen um Schmiergelder und schwarze Kassen in eine ruhige Zukunft führen.

Die Regierungskommission hatte 2002 den Deutschen Corporate Governance Kodex ins Leben gerufen, der Regeln für die Unternehmensführung aufstellt, die inzwischen von fast allen größeren Firmen freiwillig befolgt werden. Der Kodex wird jährlich überarbeitet, in diesem Jahr ist eine Begrenzung von Abfindungen für Unternehmensvorstände auf zwei Jahresgehälter aufgenommen worden. Damit soll verhindert werden, dass der Aufsichtsrat scheidenden Vorständen unangemessen hohe Abfindungen genehmigt. Für großes Aufsehen hatte zum Beispiel die Abfindung von 60 Millionen Mark für den ehemaligen Mannesmann-Chef Klaus Esser im Zuge der Übernahme durch den Konkurrenten Vodafone im Jahr 2000 gesorgt.

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) nannte die Begrenzung der Abfindungen „mutig“, mahnte aber, sie müsse als Höchstgrenze und nicht als Normalfall angesehen werden. Wenn es nach den Gewerkschaften geht, sollte sie noch deutlich tiefer gezogen werden. „Wenn ein Manager von sich aus gehen will, warum sollte er dann auch noch eine großzügige Abfindung bekommen?“, sagte Dietmar Hexel, Geschäftsführender Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und Mitglied der Corporate-Governance-Kommission dem Tagesspiegel. Hexel forderte die Kommission auch zu einer kritischen Betrachtung der Vorstandsgehälter bei großen Unternehmen auf. „Deutsche Vorstände verdienen im Durchschnitt 440 000 Euro im Jahr und damit etwa doppelt so viel wie die Bundeskanzlerin“, sagte Hexel.

Der Präsident der nordrhein-westfälischen Arbeitgeberverbände, Horst-Werner Maier-Hunke, verlangte in einem Gespräch mit der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ sogar eine Begrenzung der Bezüge. Kommissionspräsident Cromme hält die deutschen Vorstandsgehälter jedoch „bis auf wenige Ausnahmen“ nicht für überzogen. stek

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben