Wirtschaft : Countdown für Mitsubishi

In Kürze entscheidet Daimler über die Sanierung der japanischen Tochter– eine Mehrheitsübernahme ist möglich

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Tokio/Frankfurt (bas/hz/HB/dpa). Das Schicksal der DaimlerChrysler-Tochter Mitsubishi Motors (MMC) steht vor der Entscheidung. Dem von Konzernchef Jürgen Schrempp nach Tokio entsandten Rettungsteam um Smart-Chef Andreas Renschler bleiben noch wenige Tage, um an ihrem Sanierungskonzept zu feilen. Anfang kommender Woche will der Daimler-Vorstand über den Rettungsplan beraten. Das letzte Wort hat eine Woche später der Aufsichtsrat in New York, der endgültig über das Paket befindet.

Nach einem Bericht der japanischen Zeitung „Nihon Keizai Shimbun“ haben sich Daimler-Chrysler und Mitsubishi bereits auf eine zweistufige Sanierung geeinigt: Danach sollen die Japaner in den kommenden Jahren umgerechnet rund 3,9 Milliarden Euro erhalten, heißt es unter Berufung auf informierte Kreise. Daimler-Chrysler werde zudem in zwei bis drei Jahren die Mehrheit an Mitsubishi übernehmen. Derzeit hält der Konzern 37 Prozent. Mitsubishi-Aktien legten am Montag in Tokio um mehr als drei Prozent zu. Ein MMC-Sprecher lehnte einen Kommentar zu dem Bericht ab.

Die Beteiligung am viertgrößten japanischen Autohersteller ist zum größten Brandherd im Stuttgarter Konzern geworden. Drei Gewinnwarnungen in neun Monaten, zweistellige Umsatzverluste nach einem Kreditdebakel in den USA und akute Finanznot belasten das hochverschuldete Unternehmen. Der Kapitalbedarf der Japaner soll rund 5,5 Milliarden Euro betragen. Wie weit sich die Partner tatsächlich schon geeinigt haben, ist ungewiss. Doch Renschlers Plan ist in Umrissen erkennbar: Danach wird Daimler-Chrysler das Heft beim japanischen Partner künftig stärker in die Hand nehmen und im Fall einer geglückten Sanierung auch die Mehrheit übernehmen. Daimler-Finanzvorstand Manfred Gentz will aber aus Angst um seine Konzernbilanz den Anteil an MMC im Zuge der anstehenden Kapitalerhöhung nicht auf der Stelle ausweiten. Die Finanzspritze werde deshalb über stimmrechtslose Vorzugsaktien vorgenommen, heißt es.

Schrempp stellte auf der Hauptversammlung vergangene Woche noch einmal klar: „Wir haben immer gesagt, dass, wenn Bilanz, Ergebnis und Perspektive stimmen, die Mehrheit an Mitsubishi Motors eine Option sein kann.“ Doch er fügte hinzu: „Noch ist das nicht der Fall.“ Damit es soweit kommt, muss sich MMC auf eine massive Restrukturierung gefasst machen. So sieht der Umbau offenbar eine Straffung der Modellpalette, eine engere Zusammenarbeit mit der US-Sparte Chrysler und eine stärkere Verlagerung der Produktion in andere asiatische Länder vor.

Schrempp war auf dem Aktionärstreffen massiv von Fonds und Kleinaktionären kritisiert worden. Sein Vertrag wurde dennoch am späten Mittwochabend vom Aufsichtsrat bis 2008 verlängert. Vorstand und Aufsichtsrat hatten bei der Abstimmung über ihre Entlastung rund zehn Prozentpunkte weniger erhalten als im Jahr davor. Der Vorstand war mit 88,49 Prozent entlastet worden (Vorjahr: 99,44 Prozent), der Aufsichtsrat bekam nur 87,28 Prozent (99,34 Prozent).

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