Wirtschaft : Credit Suisse schmiedet neuen Finanzriesen

Bankengruppe geht mit Winterthur-Versicherungen zusammen / Spekulationen über Fusionen auch in Deutschland ZÜRICH (Bec/AFP)."Die traditionelle Aufteilung zwischen Banken und Versicherungen ist Vergangenheit." Mit diesen Worten läutete Rainer Gut, Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse Group (CS), am Montag eine neue Ära auf dem Schweizer Finanzplatz ein.In Winterthur wurden überraschend die Fusionspläne der größten Schweizer Finanzgruppe und dem "Winterthur"-Versicherungskonzern bekanntgegeben.Erstmals wollen sich damit in der Schweiz ein Großbankenkonzern und eine Versicherungsgruppe zusammenschließen.Auch international gehört die Unternehmensehe zu einem der ersten Allfinanz-Zusammenschlüsse.Die "Winterthur", die Nummer Zwei in der Schweiz, wird als eigenständige operative Gesellschaft weiterhin unter ihren Namen auftreten.Als "wirtschaftshistorisches Ereignis ersten Ranges" bezeichnete Peter Spälti, Präsident der "Winterthur"-Konzernleitung, die Fusion.Faktisch entspricht dieser Schritt aber eher eine Übernahme durch die Credit Suisse, Dachgesellschaft der inzwischen aufgelösten Schweizerischen Kreditanstalt. Die neue Finanzdienstleistungsgruppe, deren Zusammenschluß die Aktionäre beider Unternehmen Anfang September noch zustimmen müssen, wird mit insgesamt fast 15 Millionen Kunden zu den weltweit führenden Anbietern von Bank- und Versicherungsdienstleistungen gehören.Sie wird über konsolidierte Eigenmittel von rund 23 Mrd.Franken verfügen, eine Bilanzsumme von rund 700 Mrd.Franken vorlegen, Kundenvermögen von ebenfalls rund 700 Mrd.Franken betreuen und eine Börsenkapitalisierung von über 50 Mrd.Franken aufweisen."Die neue Gruppe schließt damit weltweit zu den zehn größten Finanzdienstleistungsunternehmen auf", erklärte Lukas Mühlemann, Präsident der CS-Konzernleitung.Zudem entstehe der weltweit drittgrößte Vermögensverwalter. Der geplante Konzern wird mit rund 63 000 Mitarbeitern auf allen Kontinenten stark vertreten sein.Durch Synergieeffekte soll sich der Ertrag innerhalb dreier Jahre um 300 bis 350 Mill.Franken erhöhen.Die Lebensversicherungsgesellschaft der Credit Suisse, CS Life, wird in die "Winterthur" integriert.Kosteneinsparungen werden vor allem im Informatik- und Telekommunikationsbereich möglich.Insgesamt sollen nur rund 500 Arbeitsplätze abgebaut werden. Die Fusion, die über einen Aktientausch erfolgt und rückwirkend zum 1.Juli 1997 wirksam würde, ist die radikalste Konsequenz einer bereits bestehenden engen Zusammenarbeit der beiden Unternehmen.Im April 1996 hatten sie eine weitreichende Allianz vereinbart, allerdings ohne Kapitalverflechtung.Sie nutzen Vertriebswege gemeinsam und gründeten mehrere Joint-ventures.Die beiden Unternehmen sehen aber heute in einer Fusion noch mehr Potential im Allfinanz-Bereich als durch eine Kooperation.Die "Winterthur" profitiert in einem zunehmend liberalisierten Versicherungsmarkt von der hohen Finanzkraft der weltweit führenden Credit Suisse Group.Die CS ihrerseits sieht sich angesichts eines einschneidenden Strukturwandels auf den globalen Finanzmärkten noch besser in der Lage, den Privat- und Firmenkunden Produkte anzubieten, "welche die Vorteile der Banken- und Versicherungslösungen kombinieren." Gerüchte über eine mögliche Übernahme der Winterthur-Gruppe hatten schon seit drei Monaten den Kurs der Versicherungsgruppe ansteigen lassen.Die schweizerische Investmentbank BZ hatte zudem in der letzten Zeit rund 25 Prozent des Aktienkapitals von Winterthur erworben und angekündigt, dort die Mehrheit übernehmen zu wollen.Dies sei ein Unsicherheitsfaktor gewesen und habe die Fusion beschleunigt, erklärten CS Group und Winterthur am Montag. Welche Auswirkungen die Fusion auf die deutsche Finanz- und Versicherungslandschaft haben könnte, war zunächst unklar.Credit Suisse und Winterthur kündigten an, in Deutschland weiterhin mit der Commerzbank AG zusammenarbeiten zu wollen.Eine Commerzbank-Sprecherin wies Spekulationen über ein baldiges Zusammengehen von Credit Suisse und Commerzbank als "Börsengerüchte" zurück, bestätigte aber Gespräche zwischen den Vorständen beider Banken über eine Zusammenarbeit.

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