Cross-Selling : Klamotten shoppen und Musik downloaden

Die kriselnde Musikindustrie sucht neue Vertriebswege - und Unternehmen mit ähnlicher Zielgruppe wollen ihre Kunden noch enger an sich binden. Darum sollen in Zukunft zum Beispiel neben Kleidung auch Musikdownloads angeboten werden.

Berlin - Musik ist nicht mehr allein das Geschäft der Musikbranche. Der Computerhersteller Apple hat es mit seinem Downloadshop i-Tunes vorgemacht. Auch Unternehmen wie Starbucks in den USA und jüngst New Yorker in Deutschland haben den Markt für sich entdeckt und vertreiben neben Kaffee und Kleidung auch Hits. Während die weiter kriselnde Musikindustrie auf neue Vertriebswege und damit Einnahmen setzt, suchen die Firmen nach engeren Bindungen zu ihren Kunden.

Das Braunschweiger Modeunternehmen New Yorker startete zum Jahresende mit dem Music Store ein eigenes Portal (newyorker-musik.de). Der Online-Store verfügt über 1000 Künstlerbereiche mit Diskografien, Biografien und weiteren Links. Mit im Boot sind den Angaben zufolge die Major Labels Universal Music, EMI und Warner, Independent Labels wie Edel sowie weitere kleinere Plattenfirmen. Künftig soll es zudem möglich sein, im Laden Musik downzuloaden.

Kaffee und Musik

Starbucks mischt in Sachen Musik bereits seit längerem mit - aber bisher nur auf dem US-Markt. Seit 1999 betreibt die Kaffeehauskette das Label Hear Music (hearmusic.com). Neben der Online-Bestellung können Kunden in einigen Filialen Musik downloaden und brennen oder CDs kaufen. Starbucks bietet eigene Compilations an. "Musik war immer ein wichtiger Bestandteil der Kaffeehauskultur", begründet die Coffee Company ihr Engagement.

Der Chefredakteur des Magazins "Musikexpress", Christian Stolberg, betont, die Musikindustrie müsse "die Kunden da abholen, wo sie sind". Der Plattenhandel könne dies nicht mehr, daher seien Handelsketten mit jungem Zielpublikum ein weiterer guter Vertriebsweg für die gebeutelte Branche. Um dieser tatsächlich wieder auf die Beine zu helfen, sei das Erschließen neuer Märkte indes nur "eines von vielen Dingen, die passieren müssen". Die deutschen Handelsketten hinkten zudem noch ein wenig hinterher.

Das Interesse von Unternehmen an der Musik zeige jedoch, "wie heiß das Thema ist". Markenartikler suchten die Nähe zu der Branche, weil sie sich dann "als hip und cool präsentieren" könnten.

Stolberg erinnert zugleich, "es werden Dinge wiederbelebt": Schon in den 20er und 30er Jahren seien Schellackplatten in den USA in Drugstores verkauft worden. Und auch in Deutschland habe es Platten anfänglich in Radio- und Fernsehgeschäften gegeben.

Zombik: Positiv für Musikindustrie und Nutzer

Der Geschäftsführer der deutschen Phonoverbände, Peter Zombik, findet das Musikangebot der Unternehmen "großartig". Dies stärke die Vielfalt an legalen Internetangeboten, betont er und hofft, dass sich viele vergleichbare Angebote etablieren werden. Davon würden sowohl Musikwirtschaft als auch Nutzer profitieren. Zombik sieht bei einer Reihe von Unternehmen "großes Interesse" an einem Einstieg in den Musikmarkt. Namen will er aber nicht nennen.

Zombik gibt jedoch zu bedenken, die Unternehmen hätten meist keine Infrastruktur zur Abrechnung mit der Verwertungsgesellschaft Gema. Daher müssten sie bei den Plattenfirmen nicht nur Musik, sondern auch die nötige Lizenzierungs-Infrastruktur einkaufen können. Die Gema jedoch wolle nur mit den Firmen selbst Verträge schließen.

Bei der Autorengesellschaft heißt es derweil: Wer die Technik habe, Musikdownloads anzubieten, der habe auch das Knowhow, Auskunft zu geben, was angeboten und abgerufen werde. "Wer ein Geschäft aufbaut, muss den Kostenfaktor Urheberrecht einberechnen", betont Sprecher Hans-Herwig Geyer. Plattenfirmen könnten zudem keine Autorenrechte verkaufen, da diese allein von der Gema vergeben würden. Als Beispiele von Unternehmen, die auf dem Markt der Musik-Downloads ebenfalls mitmischten und diese bei der Gema abrechneten, nannte er unter anderem Coca Cola, Daimler-Chrysler und Microsoft. (Von Nadine Emmerich, ddp)

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