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Cyberkriminalität : Erpressung und Sabotage im Netz nehmen zu

Geklaute Passwörter, ausgespähte Daten: Immer mehr Menschen werden Opfer von Internetkriminalität. Bis zu 29 Millionen Nutzer könnten betroffen sein.

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Die Zahl der Internetnutzer, die Opfer von Sabotage oder Erpressung werden, steigt.
Die Zahl der Internetnutzer, die Opfer von Sabotage oder Erpressung werden, steigt.Foto: dpa

Sie klauen Kundendaten, knacken Passwörter, räumen Konten leer. Internetkriminelle agieren mittlerweile hochprofessionell. Von ihren Beutezügen im Netz sind auch in Deutschland immer mehr Menschen betroffen. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung, die das Bundeskriminalamt (BKA) und der Branchenverband Bitkom am Mittwoch in Berlin vorgestellt haben. Demnach hat das BKA im vergangenen Jahr über 250.000 Fälle erfasst, bei denen die Ermittler „das Internet als Tatmittel“ ausmachten. Gegenüber 2012 ist das ein Anstieg um zwölf Prozent. Und das sind nur die Fälle, von denen die Kriminalbeamten wissen.

Wenn Hacker zum Beispiel im Netz private Daten abfangen, fällt das den Nutzern häufig gar nicht oder erst sehr spät auf. Das Landeskriminalamt Niedersachsen rechnet damit, dass lediglich neun Prozent aller Fälle von Internetkriminalität angezeigt werden. „Das Dunkelfeld bei Cybercrime wird immer größer“, sagt BKA-Präsident Jörg Ziercke.

Insgesamt könnten 29 Millionen Menschen betroffen sein

Internetkriminalität hat viele Seiten. Es fängt mit dem Virusprogramm an, das den PC lahm legt, und geht hin bis zu Erpressung und Datendiebstahl im großen Stil. Bekannt werden dabei meist nur die spektakulären Fälle. So soll eine Gruppe russischer Hacker kürzlich weltweit 1,2 Milliarden Passwörter von Internetnutzern abgegriffen haben.
In einer Bitkom-Umfrage unter 1000 Internetnutzern gaben 55 Prozent an, in den vergangenen zwölf Monaten Opfer von Internetkriminalität geworden zu sein. Hochgerechnet hieße das, dass 29 Millionen Menschen betroffen sind.

Zwar kennen die meisten Verbraucher mittlerweile die Gefahren im Netz. Doch gleichzeitig werden die Angriffe aggressiver. „Die Cyberkriminellen reagieren professionell und flexibel auf neue Sicherheitsstandards“, sagt Ziercke.

Oft ergaunern Kriminelle Bankdaten

Besonders stark haben zuletzt wieder Phishing-Angriffe zugenommen, bei denen Internetkriminelle die Zugangsdaten fürs Onlinebanking abfangen und dann die Konten plündern. Dem BKA wurden im vergangenen Jahr fast 4100 solcher Fälle gemeldet, 19 Prozent mehr als noch 2012. Die Täter halten mit den Banken Schritt: Zwar haben die Geldinstitute ihre Sicherheitsstandards verbessert und neue Verfahren wie m-Tan eingeführt. Doch fast zeitgleich haben Hacker Schadsoftware entwickelt, mit denen sie auch die neuen Sicherheitssysteme knacken können. Im Schnitt gelang es ihnen so pro Fall 4000 Euro abzuzweigen. Den Gesamtschaden, der jährlich durch Phishing entsteht, schätzen Experten auf 16,4 Millionen Euro.
Nach Angaben vom BKA werden Verbraucher zudem verstärkt Opfer von „digitaler Erpressung“. Kriminelle infizieren dabei den Computer mit einem Schadprogramm. Auf dem Bildschirm ploppt dann eine Meldung auf, die zum Beispiel angeblich vom BKA stammt. Der PC sei im Zusammenhang einer Straftat aufgefallen und gesperrt worden. Um ihn wieder freischalten zu lassen, müssten Nutzer eine Strafgebühr zahlen. Über 6700 solcher Fälle registrierte das BKA im vergangenen Jahr.

Die Verbraucher sind vorsichtiger geworden

Und das obwohl die Verbraucher seit dem NSA-Skandal im Umgang mit ihren Daten vorsichtiger geworden sind. Immerhin 16 Prozent verschlüsseln laut Bitkom-Daten mittlerweile ihre Mails. Bei manchen Verbraucher geht das Misstrauen mittlerweile soweit, dass sie auf die Nutzung bestimmter Dienste im Netz komplett verzichten.

Nach Bitkom-Angaben nutzen fast ein Drittel der Verbraucher sicherheitshalber kein Online-Banking mehr, gut ein Viertel kauft nicht mehr im Internet ein. Auch Cloud-Dienste, bei denen Nutzer Dokumente und Bilder statt auf dem eigenen Rechner übers Internet auf einem fremden Server speichern, werden unbeliebter: Ein Fünftel der Nutzer will sicherheitshalber auf sie verzichten. 17 Prozent wollen künftig selbst Reisen und Mietwagen nicht mehr online buchen. „Es besteht bei vielen Menschen offenbar ein generelles Unbehagen, dass durch die Abhöraktionen Bestätigung gefunden hat“, sagt Bitkom-Präsident Dieter Kempf.

Die Ermittler können nur ein Viertel der Fälle aufklären

Beim BKA arbeiten derzeit 150 Spezialisten daran, Internetkriminellen das Handwerk zu legen. Allerdings können sie gerade einmal ein Viertel der Fälle aufklären. Die Netzgauner nutzen modernste Technik und agieren weltweit. Den Beamten fehlen laut BKA-Chef Ziercke „geeignete rechtliche Grundlagen und zeitgemäße Instrumente, um Cyberkriminalität wirksam entgegenzutreten“.

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