Wirtschaft : Cyprus Air sucht einen Retter Fluglinie hofft auf Investoren aus Fernost

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Athen - Für viele zyprische Unternehmen auf der Insel bedeutet das EU-Rettungspaket den Untergang. Nach der Laiki Bank, die abgewickelt wird, kommt jetzt auch die staatliche Fluggesellschaft Cyprus Airways (CY) in schwere Turbulenzen. Bereits 2012 meldete die Fluglinie einen Verlust von knapp 56 Millionen Euro, mehr als doppelt so viel wie im Jahr zuvor. Dass Cyprus Airways noch fliegt, ist allein Staatshilfen zu verdanken. 31,3 Millionen Euro schoss der Staat als Kapitalerhöhung zu. Weitere 20 Millionen bekommt die Gesellschaft als jährlichen Zuschuss, weil sie wegen des Zypernstreits mit Ankara keine Überflugrechte für die Türkei bekommt. Dadurch verlängern sich die Flüge von Zypern nach Russland um rund eine Stunde.

Jetzt überprüft die EU-Kommission, ob es sich bei staatlichen Zahlungen von insgesamt 104 Millionen Euro an die Fluggesellschaft um versteckte Subventionen handelte. Müsste CY das Geld zurückzahlen, wäre die Airline pleite.

Zyperns Verkehrsminister Tasos Mitsopoulos präsentierte dem Kabinett drei Szenarien für die Zukunft der Fluglinie: die sofortige Einstellung des Flugbetriebs und die Insolvenz, die Abwicklung nach Abschluss der diesjährigen Urlaubssaison oder die Fortsetzung des Flugbetriebs auf der Grundlage eines Sanierungskonzepts, das eine drastische Verkleinerung der Airline vorsieht. Für die Restrukturierung bräuchte die Gesellschaft jedoch Staatshilfen von 83,2 Millionen Euro.

Die Regierung hofft jetzt auf einen Retter aus China: Vertreter der Beijing Yi Xiang Da Investment Co. Ltd. verhandelten vergangene Woche mit Vertretern des Finanzministeriums und dem Management von Cyprus Airways über einen möglichen Einstieg. Es gebe „ermutigende Anzeichen“, auch wenn man noch keine Übereinkunft erreicht habe, hieß es in Firmenkreisen. Auch die libanesische Middle East Airlines (MEA), die schon früher als Retter im Gespräch war, zeige neues Interesse, bestätigte Mitsopoulos.

Unterdessen gibt es auch schlechte Nachrichten für die Kunden der schwer angeschlagenen Bank of Cyprus. Ihnen steht wohl der Verlust von mehr als der Hälfte ihrer Einlagen über 100 000 Euro bevor. Wie der staatliche Rundfunk Zyperns am Sonntag berichtete, berechnen zurzeit Experten der Zentralbank des Landes und der Bank of Cyprus die genaue Höhe der Zwangsabgabe. Dabei geht es neben den ohnehin einbehaltenen 37,5 Prozent der Bankguthaben um weitere 21,5 Prozent, die als „Sicherheitspolster“ blockiert wurden. Quellen aus der Zentralbank sagten dem Sender zufolge, dass die Bankkunden wohl mehr als die Hälfte dieser 21,5 Prozent abschreiben müssten. Unterm Strich bedeute das für die Bankkunden den Verlust von mehr als der Hälfte ihrer Gesamteinlagen. Gerd Höhler/dpa

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