Wirtschaft : D-Mark: Auf D-Mark programmiert

Martina Ohm

Die größte Geldumtausch-Aktion in der Währungsgeschichte verlief ohne große Pannen. Auch wurden weder massenhaft Blüten beschlagnahmt, noch Serienüberfälle auf Geldtransporter gemeldet. Die Logistik funktionierte einwandfrei. "Es lief besser als erwartet", sagt Bundesbank-Koordinator Peter Walter. "Die Bargeldausgabe war eine Punktlandung." Nur noch wenige Scheine der alten Währung sind in Umlauf. Am heutigen Donnerstag wird Bilanz gezogen. Dann endet die freiwillige Selbstverpflichtung von Handel und Dienstleistungsgewerbe, die D-Mark neben dem Euro als alleinigem Zahlungsmittel noch zu akzeptieren.

Irritation über hohe Preise

So reibungslos die Logistik funktionierte, so irritiert sind viele Verbraucher nach wie vor über die höheren Preise. Einige Dienstleister haben die Euro-Bargeldeinführung zu versteckten Preiserhöhungen benutzt. "Die Wucht der Empörung hat uns fast erschlagen", sagt Theo Wolsing von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Rund 150 Telefonanrufer musste er in einer Woche beschwichtigen. Mittlerweile hat sich die Aufregung nach Einschätzung von Karin Kuchelmeister, Euro-Beauftragte der Berliner Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), gelegt.

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In welchem Ausmaß Gastwirte, Tankstellenpächter, Bäcker, Fitness-Studios oder Apotheken tatsächlich bei der Preisauszeichnung über die Stränge geschlagen haben, wird von den Statistischen Ämtern, der Bundesbank und der Europäischen Zentralbank (EZB) zurzeit untersucht. Auch die VZBV arbeitet an einer neuen Studie über die Preisentwicklung von 1000 Produkten, die in der zweiten März-Woche vorgestellt werden soll.

Derweil muss der Bundesverband Verbraucherzentrale verstärkt Aufklärungsarbeit leisten. "Die Leute verstehen nicht, wieso die amtliche Statistik so niedrige Inflationsraten ausweist, wo doch Döner-Buden, Bäcker oder Friseure im Einzelfall eine deftige Rechnung präsentieren", sagt Kuchelmeister. Das subjektive Gefühl ist nicht mit der offiziellen Preissteigerungsrate von 2,1 Prozent im Januar in Einklang zu bringen - und mit den erwarteten 1,7 Prozent Inflation im Februar schon gar nicht.

Schuld daran ist das Konsumverhalten und der Warenkorb mit seinen rund 750 Produkten. Den untersuchen die Statistiker regelmäßig, um die Inflationsrate zu berechnen. Weil der Warenkorb-Anteil beispielsweise von Lebensmitteln und nicht-alkoholischen Getränken vergleichsweise gering ist, kommt die deutliche Preiserhöhung dieser Güter in der Inflationsrate nicht entsprechend zum Ausdruck.

Mangelhaftes Wert-Gefühl

Auch Gemüse ist Anfang des Jahres, allerdings witterungsbedingt, besonders teuer geworden. Um über 18 Prozent mehr mussten die Verbraucher auf den Tisch legen. Doch Gemüse schlägt im amtlichen Warenkorb nur mit 1,2 Prozent zu Buche. Die Friseurpreise stiegen im Schnitt um 4,8 Prozent - doch der Warenkorb-Anteil erreicht gerade mal gut ein Prozent. Dagegen fallen die Ausgaben für Wohnen, Wasser, Gas und Heizöl im Warenkorb mit 27,5 Prozent spürbar ins Gewicht. Und hier machen sich die niedrigeren Energiepreise deutlich bemerkbar. Entsprechend wirkt sich dieser Bereich dämpfend auf die gesamte Inflationsrate aus.

Verstärkt wird die Irritation noch durch das mangelhafte Preis-Gefühl für die neue Währung. Nach einer Forsa-Umfrage hat bisher nur jeder Fünfte ein Gespür für den Wert der neuen Währung entwickelt. Zwar werden hier zu Lande mittlerweile 99 Prozent aller Rechnungen mit Euro bezahlt. Die meisten denken aber noch in D-Mark. Denn es vermittelt Sicherheit, in gewohnten Größen zu rechnen.

Dieser Umstand erklärt auch aktuelle Umfrageergebnisse, denen zufolge noch immer knapp jeder zweite Bundesbürger die D-Mark zurück haben möchte. Gehirnforscher Christian Elger von der Universität Bonn hat die D-Mark tief im Unterbewusstsein der Menschen lokalisiert: "Das ist wie mit dem Fahrrad fahren: Man verlernt das praktisch nie wieder."

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