Wirtschaft : D-Mark ist Vorbild für Marka

SARAJEVO (AFP).Egal ob von Serben, Moslems oder Kroaten bewohnt - alle bosnischen Landesteile sollen künftig durch eine einheitliche Währung vereint werden, die frei konvertibel und fest an die Deutsche Mark gekoppelt ist.Das neue Geld, nach seinem deutschen Vorbild Marka genannt, soll gleich vier Währungen ablösen, die derzeit noch nebeneinander in Bosnien im Umlauf sind: der jugoslawische Dinar wird vorwiegend in den serbischen Landesteilen benutzt, mit der kroatischen Kuna bezahlen vornehmlich Kroaten und mit dem bosnischen Dinar die Moslems.Die begehrte, weil harte Devise D-Mark gibt es überall.Nach Angaben des internationalen Bosnienbeauftragten Carlos Westendorp soll die neue Währung Anfang nächster Woche landesweit eingeführt werden, erst mit kleinen Scheinen, dann mit großen.Gedruckt wird das neue Geld in Frankreich.

Da die nach dem Bürgerkrieg verfeindeten Volksgruppen sich nicht auf Motive für die Geldscheine einigen konnten, mußte Westendorp im Januar ein Machtwort sprechen.Er legte Abbildungen für die Geldscheine fest, die für ganz Bosnien-Herzegowina gültig sind, wählte aber auch Symbole der einzelnen Gruppen.Die Anbindung an die als Schwarzgeldwährung bewährte D-Mark wird über alle ethnischen Grenzen hinweg begrüßt.

Unabhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes entspricht eine Marka einer D-Mark, ein Pfenig einem Pfennig.Entsprechend diesem Umtauschverhältnis sollen die Menschen ihr Geld auf der Bank in ausländische Währungen tauschen können.Dafür verbürgt sich die bosnische Zentralbank.Sie hält entsprechend dem Marka-Geldumlauf in Bosnien Reserven an Deutscher Mark als Garantie.Mit der Anbindung an die in ganz Osteuropa als Schwarzmarktwährung führende D-Mark soll vor allem erreicht werden, daß die Menschen in Bosnien ihrem neuen Geld vertrauen und es annehmen, anstatt bei ausländischen Devisen Sicherheit zu suchen.

Die Geldpolitik der Bundesbank wird von der Aktion nicht berührt.Anders als etwa im Europäischen Währungssystem (EWS), wo die Zentralbanken der Mitgliedsstaaten sich zur gegenseitigen Stützung ihrer Währungen verpflichtet haben, liegt die Verantwortung für eine einseitige Anbindung allein bei dem "angekoppelten" Land selbst, in diesem Fall also bei den Bosniern.Die Deutsche Bundesbank weiß selbst nicht genau, wieviel D-Mark derzeit in Osteuropa im Umlauf sind.Schätzungen zufolge befinden sich 30 bis 40 Prozent des deutschen Bargeldes im Ausland.Gemessen an dem Bargeldumlauf der Deutschen Mark von gegenwärtig gut 268 Mrd.DM wird die Marka ohnehin nur ein Fliegengewicht sein.

Die ersten Monate der Währungseinführung werden für die Bosnier sicherlich verwirrend sein, zumal die kleinen Münzen erst mit mehrwöchiger Verspätung eingeführt werden.Das Gefühl für den Wert des Geldes dürfte den Menschen aber nicht fremd sein, da viele Geschäfte schon jetzt ihre Waren in Marka ausgezeichnet haben und im Alltag ohnehin mit der Deutschen Mark gerechnet wird.Wie lange die alten Scheine der anderen Währungen gültig sein werden, ist nicht bekannt.

Die für ganz Bosnien zuständige Zentralbank, die jüngst die bisher nebeneinander arbeitenden serbischen und moslemisch-kroatischen Zentralbanken ablöste, weiß, daß das Wohl und Wehe der neuen Währung von der Akzeptanz in der Bevölkerung abhängt.Schon im Vorfeld der Währungseinführung versuchte sie daher die Sparer zu beruhigen.Sie brauchten sich um ihre Bankeinlagen nicht zu sorgen, diese würden automatisch auf Marka umgestellt.

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