Wirtschaft : D-Mark: Preisunterschiede in Europa über 40 Prozent

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Mit dem Euro, hieß es, würden sich auch die Preise in Europa tendenziell einander annähern. Die Preisunterschiede sind ordentlich: Bei Markenartikeln in Deutschland, Frankreich und den Nicht-Euro-Ländern Schweden und Großbritannien betragen die Preisgefälle nachweislich mehr als 40 Prozent. Acht Wochen nach der Euro-Bargeldeinführung gibt es allerdings für eine Preisharmonisierung noch keine verbindlichen Anhaltspunkte.

Hubertus Pellengahr, Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), erinnert daran, dass in vielen Branchen die Preise in Deutschland ausgesprochen niedrig sind: "Weder bei Textilien noch bei Unterhaltungselektronik, ganz zu schweigen vom Lebensmittelbereich ist Deutschland ein Hochpreisland." Allenfalls Markenartikel, Autos oder Bücher seien hier zu Lande eher teuer. Inwieweit das bestehende Preisgefälle in Europa aber hier mit der Zeit zu niedrigeren Preisen führt, bleibt fraglich. Eine Harmonisierung der Preise, wendet Michael Schröder, Leiter der Abteilung internationale Finanzmärkte vom Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), ein, "setzt effektive Vergleichbarkeit der Ware, aber vor allem Vergleichbarkeit durch technische Medien wie das Internet voraus. Der Euro allein harmonisiert die Preise nicht".

Das Problem der Forscher: Es gibt kaum identische Produkte. Das liegt auch an den so genannten länderspezifischen Eigenschaften. So sind die Schuhe in Südeuropa schmaler als im Norden, die Waschmaschinen in Spanien mit besonders niedriger Drehzahl versehen und die Kühl-Schränke in Deutschland in aller Regel zum Einbau bestimmt. Hinzu kommen die unterschiedlichen Steuersätze. Der Preisvergleich scheint mithin kaum möglich.

Und doch: Der Euro verdeutlicht bestehende Preisgefälle und fördert das Bewusstsein für unterschiedliche Kostenstrukturen. Ein Big Mac kostet in Paris etwa rund 2,66 Euro, in Rom 2,32 Euro. Ein Fernseher in Athen 587 Euro, in Lissabon rund doppelt so viel. Und die Tasse Kaffee in Wien beinahe vier Mal mehr als in Portugal. Doch Salz ist in dem südlichen EU-Zipfel zwölf Mal teurer als in Italien.

Inwieweit sich das Konsumverhalten der Bewohner - insbesondere von Grenzregionen - aber künftig so stark ändert, dass ein nennenswerter Druck auf die Preise entsteht, ist unter Fachleuten umstritten. Wer fährt schon längere Strecken, um sich beim Supermarkt jenseits der Grenze einzudecken, weil der billiger ist? Nicht nur die Autofahrt hat ihren Preis. Auch die Sprache stellt oft eine Barriere dar. Und schließlich spricht auch die Erfahrung mit der D-Mark dagegen. Die hat nämlich die regionalen Preis-, Einkommens- und Wachstumsgefälle in Deutschland auch nicht beseitigen können.

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