Wirtschaft : D21- Studie: Deutschland wird digital gespalten

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Deutschland droht die digitale Spaltung. Die Zahl der Internet-Nutzer soll zwar bis 2003 von gegenwärtig 16 Millionen auf 30 Millionen steigen. Gut 20 Millionen Bundesbürger - etwa ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung - bleiben jedoch nach dieser Prognose auf absehbare Zeit vom Internet ausgeschlossen. Darauf macht eine am Donnerstag in Berlin von der Initiative D21 vorgestellte Studie aufmerksam. "Web oder weg", so laute die Alternative, sagte Erwin Staudt, D21-Vorsitzender und Chef von IBM Deutschland. Personen mit geringer Schulbildung, Arbeitslose, Senioren, Frauen sowie Bewohner ländlicher Regionen drohten gravierende Nachteile, etwa der Ausschluss von vielen Dienstleistungen, die zukünftig nur noch im Internet angeboten würden. Ohne schnelle und eng koordinierte Maßnahmen von Wirtschaft und Staat werde das Internet die soziale Spaltung Deutschlands verschärfen.

D21 ist ein Zusammenschluss von Vertretern aus Wirtschaft und Politik, die neuen Technologien der Informations- und Kommunikationstechnik zum schnellen Durchbruch in Deutschland verhelfen wollen. Die im Juli vergangenen Jahres in Stuttgart gegründete Initiative zählt mittlerweile 226 Mitwirkende. Die jetzt vorgelegte Studie wurde von der renommierten Agentur für Unternehmensberatung Booz, Allen & Hamilton erarbeitet.

Staudt forderte Politik und Unternehmen auf, Förderprogramme effizienter zu gestalten. Dem D21-Vorsitzenden schwebt ein "Masterplan" vor, der messbare Ziele formuliert, um die zahlreichen parallel agierenden, regionalen Projekte bundesweit zu vernetzen und damit effektiver zu machen. "Wir haben zu viele Ziele, zu wenig Erfolgskontrolle und noch immer mehr Projekte als Computer für Schulen", sagte Staudt. Er verwies darauf, dass Länder wie die USA, Großbritannien oder Frankreich erfolgreicher bei der breiten Nutzung des Internets sind, weil sie koordinierter und vernetzter die Informationsgesellschaft fördern. Bislang habe die Telekom rund 11 000 Schulen ans Netz gebracht, weitere 800 kommen durch direkt von Unternehmen gesponserte Aktionen hinzu. In zwei Jahren sollen aber alle 40 000 Schulen am Netz sein. Staudt kritisierte, auch für das Aktionsprogramm der Bundesregierung, das nach der Bundestagswahl als Fahrplan in die Informationsgesellschaft entworfen wurde, gelte: "Gutes Konzept, zu langsame Umsetzung".

Booz, Allen & Hamilton weisen in ihrer Studie nicht nur auf Schwachstellen hin, die Deutschland im internationalen Vergleich allenfalls als "Land im Aufbruch" erscheinen lassen. Die Experten regen an, eine bundesweite Dachmarke, etwa "deutschland.de" zu schaffen. Sie sollte die Rolle einer zentralen Informationsbörse für Internet-Einsteiger, staatliche Förderstellen und Fördermittel aus der Wirtschaft spielen. Gütesiegel für Programme müssten die Qualität der Internet-Initiativen und Förderprojekte absichern. Die Koordination sollte bei einer Stelle der Bundesregierung liegen. Die Studie gipfelt in einer Auflistung von fast 50 konkreten Empfehlungen an die Adresse von Politik und Wirtschaft. "Wir haben in Deutschland 15 Agrarminister, aber keinen E-Minister", sagte Erwin Staudt.

Der D21-Chef erhofft sich Impulse vom Kongress der Initiative, der am 18. September zum Auftakt der "Woche der Wirtschaft" im Deutschen Pavillon der Expo stattfindet.

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