Wirtschaft : „Da ist noch mehr drin“

Puma-Chef Jochen Zeitz über Fußball, das neue Geschäftsfeld Schwimmen und hohe Erwartungen

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Herr Zeitz, Puma stattet zwölf von 32 WM-Teams aus. Wie weit wollen Sie kommen bei der Weltmeisterschaft?

Das wird sich im Laufe des Turniers zeigen. Es gibt ein paar echte Favoriten. Aber das Schöne am Fußball sind die Überraschungen. Puma ist jedenfalls die Marke, die mit zwölf Teams am häufigsten auf dem Spielfeld zu sehen sein wird.

Mit dem Risiko, dass die afrikanischen Teams, die Puma ausstattet, schneller aus dem Turnier ausscheiden …

Es kann doch nicht nur darum gehen, Erster zu sein. Wo bleibt denn da der Sportsgeist? Außerdem ist es für die afrikanischen Mannschaften schon ein großer Erfolg, sich überhaupt für eine WM qualifiziert zu haben. Aber unterschätzen Sie Italiener und Tschechen nicht.

Würden Sie es bedauern, wenn die deutsche Mannschaft, die in Adidas-Trikots spielt, Weltmeister würde?

Nein. Ich freue mich natürlich als Deutscher, wenn unsere Mannschaft so weit wie möglich kommt. Am liebsten wäre mir ein Finale Italien-Deutschland.

Wie ist das WM-Geschäft für Puma bisher gelaufen?

Wir sind sehr zufrieden. Das Trikotgeschäft ist gut gelaufen, das Schuhgeschäft ebenso. Wir hatten das Ziel, bis zur WM einer der drei Top-Ausrüster im Fußball zu werden – das ist erreicht. Das erste Quartal 2006 ist besser gelaufen als wir erwartet hatten und im Gesamtjahr wollen wir den Umsatz um 35 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro steigern. Bei der Größe, die Puma inzwischen hat, ist das durchaus bemerkenswert.

Puma ist, anders als Adidas, kein WM-Sponsor. Warum nicht?

Es kann erstens nur einen geben. Und zweitens passt diese Art der Kooperation nicht zu Puma. Unsere Marke hat einen Bekanntheitsgrad von über 90 Prozent und wir legen den Schwerpunkt auf die Kommunikation für unsere innovativen Produkte und Konzepte.

Welche?

Puma ist Sport, Lifestyle und Mode, Puma ist vielfältig, hat Spaß und ist farbenfroh. 80 Prozent unserer Produkte werden auch in der Freizeit getragen. Wir haben diesen Sportlifestyle-Markt quasi erfunden. Als führender Ausrüster der WM findet vor allem in diesem Bereich unser Marketing statt, nicht als WM-Sponsor.

Die Kritik am knallharten Vorgehen der Fifa wird lauter. Teilen Sie die Kritik?

Wir haben mit der Fifa ein sachliches Verhältnis auf der Arbeitsebene. Natürlich würde ich mich freuen, wenn mehr Innovationen möglich wären und Nicht-Sponsoren mehr Freiheiten gelassen würden.

Die deutsche Werbewirtschaft hat sich von der WM mehr Anregung für den Konsum versprochen. Sie auch?

Es war nicht damit zu rechnen, dass die WM einen Konsumrausch in Deutschland auslösen würde. Nichtsdestotrotz gibt es positive Impulse für den Handel. Dass die Steuererhöhung im kommenden Jahr diese Impulse wieder dämpfen wird, konnte man nicht vorhersehen. Deutschland bleibt ein wichtiger Markt für uns – auch wenn er nur noch weniger als zehn Prozent vom Umsatz ausmacht. Dynamischer sind aber die USA und Asien.

Puma gibt 18 Prozent des Umsatzes für Marketing und Vertrieb aus, mehr als die Wettbewerber. Lohnt sich der Aufwand?

Wir sehen unser Umsatzpotenzial bis 2010 bei 3,5 Milliarden Euro und wollen dies so weit wie möglich ausschöpfen. Dafür sind Investitionen nötig. Deshalb geben wir 2006 deutlich mehr aus. Insgesamt ist es die größte Werbekampagne der Firmengeschichte.

Sie würden mit 3,5 Milliarden Euro den Umsatz in fünf Jahren verdoppeln – ist das nicht zu viel versprochen?

Puma hat den Umsatz seit 1993 von 210 Millionen Euro auf 1,8 Milliarden Euro vervielfacht. Selbst bei einer Verdopplung bis 2010 sind wir noch nicht so breit aufgestellt wie größere Wettbewerber. Da ist also noch mehr drin.

Puma will bis 2010 auf sechs neuen Geschäftsfeldern aktiv werden. Es gibt eine eigene Jeans sowie eine Golf- und eine Motorsport-Kollektion. Was kommt hinzu?

Der Bereich Swimwear. Wir stellen im nächsten Frühjahr-Programm diese neue Kategorie vor. Die Produkte kommen 2007 auf den Markt. Das ist sicher eine der weltweit größten Produktgruppen. Unser Ziel ist, aus dem Stand einen zweistelligen Millionen-Umsatz zu erzielen – wie mit jeder neuen Produktkategorie.

Nach der Übernahme von Reebok durch Adidas ist der Abstand zur weltweiten Nummer zwei hinter Nike größer geworden. Bleibt Puma ewig Nummer drei?

Der Drang zu Größe ist nicht unser Ziel. Wir wollen eine begehrte Marke bleiben. Nehmen Sie die Auto- oder die Computerbranche. Porsche und Apple sind auch nicht die Größten, aber starke Marken.

Die Puma-Aktie ist in fünf Jahren von 15 auf mehr als 300 Euro gestiegen. Fürchten Sie nicht, dass Sie die hohen Erwartungen der Börse einmal enttäuschen könnten?

Diese Frage stellen wir uns nicht. Wir haben uns hohe Ziele gesetzt und werden alles daransetzen, diese zu erreichen.

Das Gespräch führte Henrik Mortsiefer

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