Wirtschaft : Da waren es nur noch vier

Die WestLB steigt aus. Ein Börsengang könnte damit für den Senat attraktiver werden

Stefan Kaiser

Bochum - Im Verkaufsverfahren für die Landesbank Berlin (LBB) werden die Bieter knapp. Mit der WestLB stieg am Mittwoch nach Angaben aus Finanzkreisen ein weiterer Interessent aus dem Rennen um die ehemalige Bankgesellschaft aus. Bereits am Montag war bekannt geworden, dass die beiden amerikanischen Finanzinvestoren JC Flowers und Lone Star sich aus dem Verfahren zurückgezogen haben.

Von den sieben Interessenten, die Zugang zu den Geschäftsdaten der LBB bekommen hatten, sind damit nur noch vier übrig: der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV), die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), die BayernLB sowie die Commerzbank als einziger privater Bieter. Sie haben bis zum 1. Juni Zeit, Kaufgebote abzugeben.

Die WestLB und die Berliner Finanzverwaltung wollten sich zu den Informationen nicht äußern. Aus Finanzkreisen hieß es, ein Preis von 4,5 Milliarden Euro, wie ihn die LBBW schon in der ersten Runde des Verfahrens geboten haben soll, sei der WestLB zu hoch. Beobachter hatten der Düsseldorfer Bank ohnehin nur geringe Chancen eingeräumt, da sie nicht finanzkräftig genug und zudem durch einen Skandal um angebliche Aktienkursmanipulationen geschwächt sei.

Mit der schrumpfenden Bieterzahl wächst Beobachtern zufolge auch die Wahrscheinlichkeit eines Börsengangs. Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) hatte sich immer offengehalten, die 81 Prozent an der LBB, die das Land hält, an der Börse zu platzieren. Hinter den Kulissen bereiten die beiden beratenden Banken UBS und Deutsche Bank bereits einen Verkauf von zehn- bis 15-prozentigen Aktienpaketen an Fonds vor.

Gegen den Börsengang sprechen allerdings sowohl politische als auch finanzielle Überlegungen: An der Börse wäre kaum mehr kontrollierbar, wer die LBB-Anteile hält und was damit geschieht. Zudem bezweifeln Analysten, dass das Land Berlin am Kapitalmarkt mehr als vier Milliarden Euro einnehmen kann. Von der Verkäuferseite hieß es, ein Börsengang sei mit dem Wegfall der drei Bieter nicht wahrscheinlicher geworden. „Das ist ein normaler Klärungsprozess.“

Als Favorit gilt weiter der DSGV, der für die Gemeinschaft der deutschen Sparkassen bietet. „Für uns steht einiges auf dem Spiel“, sagte DSGV-Präsident Heinrich Haasis am Mittwoch auf dem Deutschen Sparkassentag in Bochum. Man wolle keine privaten Wettbewerber in der eigenen Gruppe. Berlin sei ein wichtiger Markt, in dem der DSGV mit einer Sparkasse und einer Landesbank vertreten sein wolle. „Wir wollen dieses Institut so führen, wie dies für ein Hauptstadtinstitut unserer Gruppe angemessen ist“, sagte er.

Die Berliner Sparkasse solle zum gemeinsamen Institut aller Sparkassen werden, mit dem diese sich Gestaltungsoptionen für die Zukunft erschließen könnten. Aus den acht unabhängigen deutschen Landesbanken will Haasis langfristig eine machen. Er kritisierte die zunehmende Abhängigkeit der Wirtschaft von den Kapitalmärkten und warnte vor einem „Ausverkauf des deutschen Finanzmarktes“ an internationale Investoren, die auch den Mittelstand immer stärker einer kurzfristigen Gewinnmaximierung unterwerfen würden. Bei solchen Fonds fehle Aufsicht und Transparenz.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) versprach, sich im Rahmen der deutschen G-8-Präsidentschaft für mehr Transparenz einzusetzen. Sie würdigte die Unterstützung der Sparkassen für den Mittelstand und versprach, die europaweit einzigartige Stellung der Institute aufrecht zu erhalten. Hintergrund: Die EU-Kommission würde gerne weitere Privatisierungen von Sparkassen zulassen, die in Deutschland bisher ausschließlich öffentlich-rechtlich sind. „Wir müssen dafür werben, diese Unterschiedlichkeit in Europa als Selbstverständlichkeit zu betrachten“, sagte Merkel. „Wo Sparkasse drauf steht, ist auch Sparkasse drin – und das soll auch so bleiben.“

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