Wirtschaft : Dämpfer aus Tokio

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Von Henrik Mortsiefer

So schlechte Nachrichten sind die Anleger nicht mehr gewöhnt: Am Donnerstag begann der Börsentag in Europa und den USA mit einer Hiobsbotschaft aus Fernost. Der Nikkei stürzte in Tokio um fünf Prozent ab, nachdem sich zuvor schon in New York die Kurse nach unten bewegt hatten. Die Angst vor einer neuen, globalen Verkaufswelle flackerte für Stunden auf. Setzt sich nach den immer und immer wieder bemühten Aufschwungszenarien nun der Pessimismus durch? Erst als der Dax sich am Nachmittag erholte, legte sich auch die Aufregung: War es doch nur ein lokaler Absacker in Tokio?

Die so genannte Berichtssaison, in der seit Tagen alle großen, börsennotierten Konzerne mitteilen, wie ihr drittes Geschäftsquartal 2003 verlaufen ist, liefert Antworten auf beide Fragen. Die Gewinne fast aller Unternehmen sind gestiegen. Die Zahlen übertreffen meist die – zuvor drastisch nach unten korrigierten – Prognosen. Die Geschäfte laufen wieder an. Gemessen an den mageren Umsätzen kann von einem Aufschwung allerdings noch keine Rede sein. Die ausgewiesenen Gewinnsteigerungen sind in der Regel nur das Ergebnis von Sparprogrammen, also Kapazitäts und Personalabbau, nicht von steigender Nachfrage und Produktion. Und gemessen an den vorsichtigen Voraussagen der Vorstände für das Geschäftsjahr 2004 ist von echter Aufbruchstimmung im Augenblick erst recht wenig zu spüren.

Da denkt sich mancher Anleger, dass es einstweilen besser ist, die Gewinne an den Börsen mitzunehmen. Sicher ist sicher. Der Aufschwung findet bisher nur in den Prognosen der Volkswirte und in den vorauseilenden Aktienkursen statt. Solange das Wachstum aber nicht auch in den Bilanzen der Unternehmen sichtbar wird, müssen Anleger auf schlechte Nachrichten vorbereitet sein – nicht nur in Tokio.

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