Wirtschaft : Dämpfer für Bahnchef Mehdorn

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Von Carsten Brönstrup

Es wurde höchste Zeit, dass jemand Hartmut Mehdorn und seine Pläne für einen Börsengang der Bahn stoppte. Seit Monaten betreibt der Konzernchef ein bedenkliches Spiel: Er will den Staatskonzern schnellstens an die Börse bringen – obwohl er noch marode ist und Verluste schreibt. Damit die Bahn trotzdem für Investoren attraktiv wird, will Mehdorn das Schienennetz mit auf den Kapitalmarkt nehmen. Obwohl die Gleise mit dem Geld der Steuerzahler gebaut worden sind, obwohl der Bundestag protestiert.

Vom Bundestag hat Mehdorn nun einen Dämpfer bekommen – zu Recht. In seltener Einmütigkeit haben die Verkehrspolitiker aller Parteien verlangt, dass die Bahn nicht mitsamt der Gleise verkauft werden darf. Zudem solle sie erst über mehrere Jahre schwarze Zahlen schreiben, bevor sie aus der Obhut des Staates entlassen werden kann. Diese Einwände sind berechtigt. Denn es ist nicht einzusehen, dass die Schienen gegen den Willen von Politikern und Wählern verkauft werden – nur damit Mehdorns Traum vom Börsengang wahr wird. Zumal die Gefahr besteht, dass eine privatisierte Bahn als Herrin über das Netz Konkurrenten behindert – und so der Wirtschaft insgesamt schadet. Eine schnelle Privatisierung ist gleichwohl wichtig. Sinkende Preise, mehr Service und mehr Kunden wird es erst geben, wenn die Bahn ein normales Unternehmen ist, so wie die Post, die Lufthansa oder die Telekom. Auch sie haben einst dem Staat gehört – und sind erst richtig profitabel geworden, als Kanzler und Minister dem Management nicht mehr reinreden durften. Nur die Kontrolle über das Schienennetz, die muss beim Staat bleiben.

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