Wirtschaft : Dämpfer für Hoechst

Unbefriedigendes Betriebsergebnis der Pharmatochter HMR

FRANKFURT (MAIN) (dpa).Im Rennen der Großchemie um neue Gewinnrekorde muß der Frankfurter Chemieriese Hoechst in diesem Jahr passen.Anders als die Konkurrenten Bayer und BASF kann Hoechst keinen neuen Spitzenwert anpeilen.Aufgrund fehlender Sonderfaktoren, die die Ertragsrechnung im vorigen Jahr noch in hohem Maß beeinflußt hatten, steht bereits fest, daß "der ausgewiesene Konzerngewinn 1997 niedriger ausfallen" wird.In den ersten neun Monaten schrumpfte der Vorsteuergewinn um 49 Prozent auf knapp 2,9 Mrd.DM, teilte Finanzvorstand Klaus-Jürgen Schmieder am Donnerstag mit.Unter dem Strich nahm der Umsatz des Hoechst-Konzerns in den ersten drei Quartalen um vier Prozent auf 40 Mrd.DM zu."Der Anstieg ging zu sechs Prozent auf günstige Währungseinflüsse und zu drei Prozent auf steigende Absatzmengen zurück." Die wichtigste Ursache für die rückläufigen Erträge liegt in Verkäufen von Töchtern und Beteiligungen in 1996, die sich im laufenden Jahr nicht wiederholen.Bereinigt um diese Sondereffekte sei der Vorsteuergewinn in den ersten drei Quartalen um zwei Prozent gewachsen.Auch im operativen Ergebnis 1997 rechnet der Hoechst-Vorstand auf vergleichbarer Basis mit einer Steigerung.Für das Flaggschiff des neustrukturierten Hoechst-Konzerns, die Pharmasparte Hoechst Marion Roussel (HMR), mußte Hoechst allerdings im operativen Geschäft einen empfindlichen Dämpfer einräumen.Das HMR-Betriebsergebnis schrumpfte ­ vor allem wegen der 96er Sondererträge ­ im Berichtszeitraum um ein rundes Drittel auf 1,3 Mrd.DM.Werden diese Ausnahmeeffekte herausgerechnet, ergibt sich immer noch ein Minus im Betriebsergebnis von 13 Prozent.Selbst wenn dies bis zum Jahresende noch wettgemacht werden könne, "ist das immer noch nicht das, was wir uns unter einer erfolgreichen Pharma vorstellen", sagte der Finanzchef.In den Segmenten der industriellen Chemie hat Hoechst das Betriebsergebnis aufgrund gestiegener Absatzmengen in allen Bereichen verbessert. Dennoch hält der Hoechst-Konzern an seiner mit Milliardenaufwand betriebenen Konzentration auf das Pharma-Geschäft fest."Die Entfaltung des Entwicklungspotentials braucht Zeit", sagte Schmieder.Große Fortschritte bei HMR verspricht sich das Hoechst-Management mit neuen Produkten, die 1998 und 1999 auf den Markt kommen sollen.Unabhängig davon soll bei sämtlichen HMR-Aktivitäten weltweit geprüft werden, "inwieweit sie zur Erreichung der strategischen Vorgaben beitragen".Die schlechte Gewinnentwicklung bei HMR wird unter anderem mit erschwerten Marktbedingungen und schärferem Wettbewerb, aber auch mit dem hohen Forschungsvorlauf begründet.

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