Wirtschaft : Daewoo Motor: Neue Bieterrunde für südkoreanischen Autobauer eingeläutet

Nach dem überraschenden Rückzug des US-Autokonzerns Ford von seinem Angebot für Daewoo Motor haben die Kreditgeber eine neue Bieterrunde für den angeschlagenen südkoreanischen Produzenten eingeläutet. Innerhalb der kommenden zehn Tage erwarteten die Gläubiger neue Gebote der Konsortien um General Motors (GM) und Daimler-Chrysler, sagte der Präsident der Korea Development Bank (KDB), Uhm Rak Yong, nach Beratungen mit dem Daewoo- Restrukturierungsausschuss am Montag in Seoul. Für Südkoreas zweitgrößten Autobauer solle dann innerhalb eines Monats ein vorläufiger Kaufvertrag abgeschlossen werden.

Nach mehrwöchiger Prüfung der Bücher bei Daewoo hatte Ford Ende der vergangenen Woche die Übernahmeverhandlungen mit dem Komitee abgebrochen. Im Bieterverfahren um die Autosparte des zusammengebrochenen Mischkonzerns Daewoo hatte sich zuvor der weltweit zweitgrößte Autohersteller vor den rivalisierenden Mitbietern GM/Fiat und Daimler-Chrysler/Hyundai auf Grund des am besten bewerteten Gebots durchgesetzt. Aus Stuttgart hieß es nach dem Ausstieg Fords allerdings, die Daimler-Chrysler AG sei auch jetzt nicht an Daewoo interessiert. Das Unternehmen habe am Bieterverfahren nur teilgenommen, um einzelne interessante Teil identifizieren zu können.

Der Vorsitzende der staatlichen Finanzaufsicht (FSC), Lee Keun Yong, schloss indes am Montag einen Alleingang des südkoreanischen Branchenführers Hyundai in der Daewoo-Auktion aus. Der FSC führte in der Vergangenheit wiederholt wettbewerbsrechtliche Gründe für die Ablehnung Hyundais als Alleinbieter an. GM bekundete weiter sein Interesse an einer Übernahme Daewoos. Es sei aber mehr Zeit nötig, um die veränderte Situation zu überprüfen.

Ford hatte knapp sieben Milliarden Dollar für die Daewoo Motor Co und deren Schwesterfirma SsangYong Motor geboten. Neben der Opel-Konzernmutter GM und Fiat legte auch Daimler-Chrysler zusammen mit Hyundai ein unverbindliches Gebot für die Daewoo-Auktion vor. Daewoo ist Südkoreas zweitgrößter Autobauer mit einer weltweiten Produktionskapazität von mehr als zwei Millionen Fahrzeugen; der Marktanteil in Südkorea wird auf 32 Prozent geschätzt. Den geschätzten Schulden von 18,6 Billionen Won (fast 38 Milliarden Mark) stehen laut den vorliegenden Bestandsaufnahmen Vermögenswerte von 12,9 Billionen Won gegenüber. Die Daewoo-Produktionsstandorte erstrecken sich von den Philippinen bis nach Polen. Die koreanische Zeitung "Chosun Ilbo" berichtete unterdessen am Montag unter Berufung auf Bankenkreise, die Daewoo-Gläubiger wollten den Autohersteller zerschlagen, falls die Verkaufsverhandlungen mit Hyundai oder General Motors erfolglos bleiben.

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